Gruppenabend des Orchideen-Stammtisches Jena am 21. Oktober 2010 - Vortrag "Naturerlebnis Costa Rica"

 

Am Donnerstag, den 21. 10. 2010, trafen sich 14 Mitglieder des Orchideen-Stammtisches Jena sowie 5 Gäste von den Orchideengruppen Zwickau und Gera in der Traditions-Gaststätte "Zur Noll", um sich bei ihrem zweiten monatlichen Herbstreffen einen Vortrag unseres Erfurter Gastes Dr. Norbert Baumbach zum Thema: "Naturerlebnis Costa Rica" anzuhören. Der Referent, langjähriges Mitglied der Deutschen Orchideen Gesellschaft (DOG), ist den meisten Orchideenfreunden vor allem durch seine zahlreichen Artikel in der Haus-Zeitschrift "Die Orchidee" sowie seine mitreißenden Expeditionsschilderungen bekannt. Uns hatte er in den letzten Jahren bereits zwei Mal mit seinen Vorträgen begeistert! In Erfurt betreibt er einen Bergsteiger-Laden (Andreasstraße 28, Telefon und Fax: 036- 12114249, eMail: bergsteigerladen@t-online.de) und organisiert Expeditionsreisen, vor allem nach Mittel- und Südamerika, berät aber auch Interessenten gern bei ihren individuellen Reiseplanungen und -vorbereitungen. Gleichzeitig ist er als Öffentlichkeitsreferent des Thüringer Bergsteigerbundes e.V. tätig.

Unser Vorsitzender Hans-Joachim Pischeli begrüßte eingangs ihn mit seiner Ehefrau sowie alle erschienenen Orchideenfreunde einschließlich der Gäste ganz herzlich.

Im Anschluss wurde, um die Unruhen bei der Bestellung und ersten Getränkelieferung zu umgehen und nicht den Vortrag damit zu belasten, organisatorisch unsere geplante Fahrt im kommenden Frühjahr (Donnerstag, 14. April 2011) nach Dresden zur Messe "Dresdner Ostern einschließlich einer großen Orchideenausstellung" angeschnitten. Nachdem nochmals ein generelles Interesse der Mitglieder ermittelt wurde, fand sich Dr. Horst Lang bereit, in gewohnt erfahrener Weise die Fahrtenplanung per Bus zu übernehmen. Dadurch ergaben sich aber Änderungen im Programm des nächsten Jahres, da ja als Folge der für den gleichen Tag geplante April-Vortrag ausfallen muss. Er wurde auf den November verlegt, zumal für diesem Termin noch ein freies Thema zu vergeben war. Alle Anwesenden, die noch keinen Programmentwurf in den Händen hatten, sowie interessierte Gäste erhielten ein ausgedrucktes Exemplar. Weitere Änderungswünsche wurden nicht geäußert. Auch die Berichte zu unserer Sommerexkursion und zu den letzten Gruppenabenden wurden als Kopien an alle Anwesenden übergeben, die keinen Computer-Zugang besitzen.

Weil inzwischen das bestellte Essen schubweise gebracht wurde, dadurch erneut Unruhe ausbrach und auch unser Gastreferent sich vor seinem kraftzehrenden Vortrag noch stärken sollte, wurde das Programm abermals umgestellt.
Thomas Bopp und Hanna Stark zeigten ihre mitgebrachten, gerade blühenden Orchideen. Folgende Objekte wurden vorgeführt und kurz erläutert:
Aerides lawrenceae
Eria multiflora
• Tolumnia-Hybride
Aufgrund der relativ geringen Reaktion in der letzten Zeit, blühende Pflanzen mitzubringen, soll nochmals an alle Mitglieder, die eine Sammlung besitzen, appelliert werden, doch das eine oder andere Kleinod künftig mitzubringen!

Anschließend wurde die mitgebrachte neue Orchideenliteratur durch Dr. Helga Dietrich vorgestellt und auf interessante Beiträge in den Zeitschriften "Die Orchidee", "Orchideen-journal" und "Orchids" (Zeitschrift der Amerikanischen Orchideengesellschaft) aufmerksam gemacht. Mancher hatte schon vorher die Zeitschriften durchstöbert. Dazu gehörte auch Reiseliteratur zu Costa Rica, dem Land des Hauptvortrages.

Nach einer weiteren, kurzen Essenspause begann der Power-Point-Vortrag, der uns in eines der geschätztesten Reiseländer Mittelamerikas, nach Costa Rica (in Spanisch "Reiche Küste"), entführte. Das ca. 51 100 km2 umfassende - und damit in etwa der Größe der halben einstigen DDR entsprechende - sowie etwa 3,5 Millionen Einwohner zählende Land grenzt im Westen an den Pazifischen und im Osten an den Atlantischen Ozean. Klimatisch wechselt sich dadurch eine Regenzeit mit einer Trockenzeit ab. Staatlich zwischen Nicaragua im Norden und Panama im Süden gelegen ist dieses neotropische Gebiet landschaftlich sehr abwechslungsreich mit seinen aktiven oder bereits erloschenen Vulkanen, seinem Cordilleren-Hauptzug, seinen Flüssen und Seen, Urwälder tragenden Tiefebenen, aber auch seinen ausgeprägten Trockenzonen sowie herrlichen Bade- und Tauchstränden.
Musikalisch wurden wir eingangs auf diese Vielfalt durch eine lose Bilderfolge eingestimmt. Der höchste Berg des Landes ist der 3820 m hohe Chirripó Grande, dessen mehr als anstrengende Ersteigung wir durch das Ehepaar Baumbach, ungeplant gleich am Anfang ihres dreiwöchigen Aufenthaltes, sehr gut nachvollziehen konnten. Der Aufstieg wird - bedingt durch eine limitierte Hüttenunterkunft kurz unterhalb des Gipfels - notwendigerweise durch Ranger reglementiert.
Hauptstadt ist San José, knapp 1 Million Einwohner zählend und in einem Cordilleren-Hochtal angesiedelt, deren verblichenen Charme wir mit durch einige Impressionen (wichtige Gebäude, Parks und Unterkünfte) kennen lernten. Doch bereits hier kann man erste Epiphyten, darunter mehrere Orchideen, aber auch unerwartete Tiere, wie einen Schwarzen Leguan, erleben. Im ganzen Land tritt als verwilderter Neophyt die Erdorchidee Arundina graminifolia auf.
Etwa 27 % der Landesfläche stehen unter Naturschutz. Nach Ausweisung des ersten Nationalparks im Jahre 1969 sind inzwischen reichlich 20 staatliche oder privat betriebene Nationalparks oder andere Schutzgebiete eingerichtet worden. Davon sind die zwei großen Schutzgebiete La Amistad und Guanacaste sowie die zu Costa Rica zählende pazifische Insel Isla del Coco von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden.
Das Land ist floristisch sehr reich; es sind insgesamt rund 12 000 Pflanzenarten registriert. Aber auch faunistisch kommt man auf seine Kosten, kann man doch mit etwas Glück Krokodile, Reptilien (z.B. Leguane, Schlangen), Amphibien (u.a. Baumsteigerfrösche), viele Vögel (z.B. Kolibris, Papageien) und eine Unzahl von Insekten beobachten.
An Orchideen werden aktuell 1416 Arten aus 179 Gattungen angegeben. Vermutlich sind Pleurothallis mit etwa 180 Arten sowie Epidendrum mit etwa 150 Sippen die artenreichsten. Auch Maxillaria und ihre engsten Verwandten sowie die Pleurothallis nahe stehenden Lepanthes und Stelis sind umfangreich vertreten. Im Vortrag wurden zahlreiche blühende Beispiele aus diesen, aber auch anderen Gattungen vorgeführt. Somit dominieren wie überall in der Neotropis die epiphytischen über die terrestrischen Orchideen. Allerdings konnten wir letztere durch Beispiele aus Ponthieva, Sarcoglottis oder Erythrodes erleben.
Als Hauptblütezeit werden von Kennern die Monate Februar bis Mai, als touristisch günstigste die Monate Dezember bis März empfohlen. Allerdings herrschen ziemliche klimatische Unterschiede - trotz der relativ kleinen Landesfläche - zwischen der pazifischen und atlantischen Seite. Kennen lernten wir genauer drei weitere Aufenthaltsorte der Tour aus dem Jahre 2009: einmal die Osa Peninsula mit dem Corcovado-Nationalpark im Südwesten des Landes, aber auch die Talamanca Gebirgskette als Teil des Biosphärenreservats La Amistad Caribe, weiterhin das im Nordwesten, also am Pazifik und an der Grenze zu Nicaragua, gelegene Monteverde mit seinen Cloudforest (Wolkenwelt) als auch den nahe gelegenen und daueraktiven Arenal -Vulkan.
Als ergänzende Einlage zu aktuellen systematischen Problemen der Orchideen-Gattungsabgrenzung stellte der Autor, natürlich auch mit Fotos blühender Vertreter, die taxonomisch äußerst kritische Maxillaria-Alliance vor. Manche der inzwischen vorgenommenen Neu- oder Wieder-Abgrenzungen sollte man allerdings sehr kritisch betrachten!
Der Beifall und zahlreiche Fragen zeigten dem Referenten, wie gut sein temperamentvoller Stil und seine fachkundigen Erläuterungen den Anwesenden gefallen haben.
Nach Dank durch den Vorsitzenden und einer allgemeinen Verabschiedung gingen oder fuhren alle wieder sehr zufrieden nach Hause. Mancher hatte noch einen langen Weg vor sich!

Unsere nächste Zusammenkunft wird am 18. November 2010 stattfinden, in der ein Vortrag zum Thema "Naturerlebnis Himalaja" von Dr. Henryk Baumbach (Universität Jena, Institut für Spezielle Botanik) im Mittelpunkt stehen wird, der - um Fragen vorzubeugen - mit dem gleichnamigen Referenten des Oktober, obwohl auch aus Erfurt stammend, nicht verwandt ist.

Dr. Helga Dietrich



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Orchideenstammtisch Jena