Am Donnerstag, den 17. 02. 2011, trafen sich 14 Mitglieder und 5 Gäste (aus Jena und Zwickau) des Orchideen-Stammtisches in der Traditions-Gaststätte "Zur Noll", um einen Vortrag von Rudolf (Rudi) Beyer (Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringens, Jena) zum Thema: "Orchideenexkursion im Ural" zu hören.
Unser Vorsitzender Hans-Joachim PISCHELI begrüßte eingangs alle erschienenen Orchideenfreunde und Gäste sowie ganz besonders unseren heutigen externen Referenten.
Anschließend wurden organisatorische Punkte angeschnitten und dabei nochmals die Fahrt zur Messe "Dresdner Ostern" mit "Internationaler Orchideenausstellung Dresden" am Donnerstag, den 14. April 2011, vor allem die entgültige Teilnehmerzahl einschließlich einer Erweiterung durch externe Teilnehmer und die damit verbundene Busgröße, diskutiert (Organisation Dr. Horst LANG).
Es schloss sich die Vorstellung neuer Orchideenliteratur durch Dr. Helga DIETRICH an, die diesmal überwiegend die neuen Januar-Ausgaben der Zeitschriften "Die Orchidee", "OrchideenJournal" und "Orchids" umfasste. Unser Mitglied Horst KÜHN hatte zudem im Selbstverlag einen repräsentativen Fotoband mit dem Titel "Orchideen mit schönen Blättern" erstellt, dessen Erwerb und Preis beim Autor erfragt werden können.
Erfreulicherweise hatten diesmal 3 Mitglieder blühende Pflanzen mitgebracht. Im Einzelnen handelte es sich um:
Dr. Horst LANG:
• Abgabe mehrere Pflanzen einer nicht blühenden (sonst blau) Pinguicula (Fettkraut)-Art
• Paphiopedilum 'Greenhorn calarow' x 'Diversion Nero'
• Paphiopedilum delenatii x P. primulinum

Peter und Helga BAUER:
• Dendrobium nobile-Sorte
• Dendrobium 'Star Dust' (gelb und orange blühend)
• Cymbidium-Sorte (grün blühend mit dunkel gestreifter Lippe
Klaus Schneider:
• Cattleya walkeriana 'Alba'
• Cattleya amethystoglossa
• Rhynchostylis 'Gigantea Spot' (weiß und gesprenkelt)
Der heutige Referent Rudi BEYER wurde, da er den meisten der Gruppe noch unbekannt war, kurz durch Dr. Helga DIETRICH vorgestellt und seine Verdienste um den Orchideenschutz Thüringens betont. Er arbeitete und arbeitet seit dem Jahre 1965 sowohl im ehemaligen Kulturbund (Arbeitskreis zum Schutze heimischer Orchideen) als auch später im Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringens (AHO), genauso wie in deren Regionalsektion Jena/ Saale-Holzlandkreis, im Naturschutzbund (NABU) sowie im "Verein Blühendes Leutratal" aktiv mit. Er gilt dabei nicht nur als einer der engagiertesten Mitarbeiter bei praktischen Arbeitseinsätzen in seinen heimatlichen Schutzgebieten, sondern auch als Fotograf und seit über einem Jahrzehnt ebenfalls als Autor floristischer Publikationen und Reiseberichte über europäische Orchideen. Seine reiche Dia-Ausbeute hat er in zahlreichen Vorträgen unterschiedlicher Thematik vorgestellt und dabei spüren lassen, wie er selbst immer wieder von der Vielfalt und Schönheit oder dem Besonderen, mitunter Bizarren der aufgesuchten Landschaften, Kulturkreise, Menschen, Architektur, aber vor allem der Natur überrascht ist.

Die heutige Thematik führte in den Ural, ein Gebiet Russlands, das Keiner der Anwesenden persönlich kannte bzw. - ehrlich zugegeben - viel darüber wusste.
Der Ural (nicht zu verwechseln mit dem benachbarten, gleichnamigen russischen Fluss) ist ein etwa 2100 km langes, vertikal verlaufendes und sich bis über 1800m üNHN auftürmendes Mittel- und Hochgebirge im mittleren Westen Russlands von der Karasee im Norden bis nach Kasachstan im Süden. Er wird von Geographen, aber auch den "Einheimischen", als Grenze zwischen Europa und Asien angesehen. Hier herrscht ein kontinentales, wenn auch sehr variables Klima. Dieses Gebirge wird geographisch in fünf Gebirgszüge untergliedert, von denen der nördlichste Teil ("Polarural") auch den höchsten Berg, Narodnaja mit 1895m, aufweist. Solche Höhen sind für ein etwa 300 bis 250 Millionen Jahre altes Gebirge, das schon im Erdaltertum (Paläozoikum) entstand, sehr ungewöhnlich. Daraus resultiert aber der hohe Erz- (z.B. Eisen, Platin, Gold, Magnetit, Chrom), Edelstein- (z.B. Malachit, Beryl, Andradit, Quarz), Erdöl-, Erdgas- , Kohle- und Mineralstoff-Reichtum (z.B. Kali), der auch bergbaulich genutzt wird.
Aufgrund der enormen Flächenausdehnung über verschiedene Breitengrade zeigt der Ural eine sehr differenzierte und reiche Tier- und Pflanzenwelt. 5% der Gesamtflora des Urals gelten als endemisch.
Der Vortragende hielt sich mit seiner Lebensgefährtin als Teilnehmer einer organisierten Reise (mit 15 Personen), die vom 5.-16. Juni 2009 stattfand, ausschließlich in Udmurtien auf, einer autonomen Teilrepublik im russischen Förderationskreis Wolga mit etwa 1,6 Millionen Einwohnern.
Das Klima zeigte sich hier gemäßigt kontinental. Die Landschaften werden von den westlichen Vorgebirgen des mittleren Urals sowie vom Fluss Kama (als größter Nebenfluss der Wolga) geprägt. An Vegetationseinheiten dominieren Wälder, die zur Taiga gezählt werden, Waldsteppen und Steppen. In den moor-, flechten- und moosreichen Wäldern kommen, wie die Dias zeigten, Sibirische Tanne (Abies sibirica), Sibirische Kiefer (Pinus sibirica) neben Wald-Kiefer (P. sylvestris), Sibirische Lärche (Larix sibirica), von der ein beachtliches, etwa 700 Jahre altes Exemplar gezeigt wurde, Sibirische Fichte (Picea obovata) und Europäische Fichte (Picea abies) als auch Hänge-Birke (Betula pendula) und Moor-Birke (Betula pubescens) vor. Im Unterwuchs wachsen Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Moltebeere (Rubus chamaemorus), Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum) und Kleinfrüchtige Moosbeere (Vaccinium oxycoccus)
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An Orchideen wurden im Vortrag - von den insgesamt 11 vorkommenden Arten - 7 gezeigt:
• Getüpfelter Frauenschuh (Cypripedium guttatum)
• Großblütiger Frauenschuh (Cypripedium macranthum)
• Europäischer Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

• Zweiblättrige Waldhyazinthe (Platanthera bifolia)
• Blutrotes Knabenkraut (Dactylorhiza cruenta)
• Fleischfarbiges Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata)
Andere erwähnungswerte Pflanzen waren Sumpfporst (Ledum palustre), Fieberklee (Menyanthes trifoliata), Sumpfkalla (Calla palustris) sowie Riesenbestände der rotblütigen Pechnelke (Lychnis viscaria).
Wir gratulieren an dieser Stelle dem Referenten ganz herzlich zu seinem 75. Geburtstag, den er in wenigen Tagen (am 24. Februar) im Kreise seiner Familie und Freunde feiern wird und wünschen ihm noch viel Gesundheit und Vitalität, um seinem Hobby "Orchideen und Reisen zu deren Standorten" noch lange frönen und seine Kenntnisse auch an Andere weiter geben zu können!
Nach dem Dank an den Referenten wurde der Abend offiziell beendet, allerdings schloss sich noch manche individuelle Diskussion an!
Unsere nächste Zusammenkunft wird am 17. März 2011 mit einem Lichtbildervortrag unseres Mitglieds Dr. Gösta Clausner (Jena) zum Thema "Reisebericht Brasilien Teil 2" stattfinden.
Text: Dr. Helga Dietrich, Fotos: Rudi Beyer, Dr. Horst Lang
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