Exkursion am Sonntag, dem 28. Mai 2006 in das NSG "Tote Täler" bei Freyburg/Unstrut

 

Pünktlich um 9.00 Uhr trafen sich 13 unerschrockene Orchideen-Freaks bei strömendem Regen, Hagel und stürmischem Wind auf dem Seidelparkplatz in Jena, um zu einer Exkursion in das Naturschutzgebiet „Tote Täler“ bei Freyburg (Sachsen-Anhalt) aufzubrechen. Nach Beratung und einem optimistischen Blick auf den sich aufhellenden östlichen Horizont bildeten wir mit 3 Autos Fahrgemeinschaften.

Das schöne Winzerstädtchen Freyburg im Untrut-Tal gilt als Stadt des Weins und des Turnvaters Jahn. Wir bogen aber schon vorher in Kleinjena ab, nachdem wir zügig auf der B 88 über Dornburg, Camburg und Naumburg vorangekommen waren.

Auf einer Hochfläche über dem Ostufer der unteren Unstruth prangt die imposante, sagenumwobene Neuenburg, die um 1090 vom Thüringer Grafen Ludwig dem Springer als Schwesternburg zur Wartburg gegründet wurde. Architektonische Kleinode sind heute noch die um 1180 errichtete Doppelkapelle und der einzige in Deutschland freistehende Bergfried, „Dicker Wilhelm“ genannt, ebenfalls im 12. Jahrhundert errichtet. Aufenthalte des Kaisers Friedrich Barbarossa oder der Landgräfin Elisabeth von Thüringen auf der Burganlage sind von historischer Bedeutung. Leider haben wir keine Zeit, diese attraktive Burganlage aufzusuchen, denn die Orchideen locken und der Wetterbericht hatte nur bis zum frühen Nachmittag trockene Zeiten versprochen.

In Kleinjena bogen wir links ab und folgten dem Weg bis zum Dorf Großwilsdorf, wo wir am Waldrand auf einem regennassen, Pfützen reichen Feldweg unsere Autos parkten.

 

Zu Fuß, bepackt mit Rucksäcken und Kameras, ging es ins NSG. Dieses ist durch einen schmalen, ausgewiesenen und mit Pfosten und Bändern abgegrenzten Pfad erlebbar, von dem man aus fast alle vorkommenden Orchideen gut sehen und fotografieren kann. Wenn auch in diesem Jahr als vergleichbare Situation mit anderen bekannten Orchideen-Standorten anstatt von Tausenden nur Hunderte Orchideen einer Art sichtbar waren, erfreuten sich doch alle an den schönen Beständen und der herrlichen Landschaft.

Das NSG wurde inzwischen auch als FFH (Fauna-Flora-Habitat)-Gebiet „Tote Täler südwestlich Freyburg“ von der EU bestätigt!

Orchideen fotografieren

Der starke Sturm, der sogar unser „Leichtgewicht“ Hanna Stark zu Boden warf, hatte Untergrund und Vegetation schnell abgetrocknet, so dass wir nicht einmal nass wurden. Die Sonne kam heraus, weiße Wolken zogen am tiefblauen Himmel entlang, die Vögel zwitscherten, die Luft war rein - es war einfach schön, nur die Fotografen waren mit dem starken, böigen Wind, der alles bewegte, unzufrieden.

Folgende Orchideen wurden angetroffen:

Ophrys sphecodes (Spinnen-Ragwurz) • Ophrys insectifera (Fliegen-Ragwurz)
Ophrys xhybrida (Bastard zwischen beiden Arten) • Neottia nidus-avis (Vogel-Nestwurz)
Cephalanthera damasonium (Bleiches oder Weißes Waldvöglein)
Epipactis atrorubens (Blutroter Sitter, Strandvanille) noch nicht blühend
Epipactis muelleri (Müllers Sitter) noch nicht blühend • Listera ovata (Großes Zweiblatt)
Platanthera bifolia (Zweiblättrige Waldhyazinthe)
Gymnadenia conopsea (Große Händelwurz) noch nicht blühend
Orchis purpurea (Purpur-Knabenkraut) • Orchis militaris (Helm-Knabenkraut)
Orchis tridentata (Dreizähniges Knabenkraut)
Orchis xhybrida (Bastard zwischen Purpur- und Helmknabenkraut)
Orchis xalfredo-fuchsii (Bastard zwischen Dreizähnigem und Purpur-Knabenkraut)
Orchis xcanutii (Bastard zwischen Dreizähnigem und Helm-Knabenkraut)

Wanderung Tote Täler

Doch auch andere schöne, sogar seltene Pflanzen konnten uns blühend erfreuen, beispielsweise:

Lithospermum purpureo-caeruleum (Blauer Steinsame)
Stachys recta (Aufrechter Ziest) • Polygala comosa (Schopf-Bitterblümchen)
Salvia pratensis (Wiesen-Salbei)
Inula hirta (Rauher Alant) • Geranium sanguineum (Blutroter Storchschnabel)

und viele andere. Auf dem Heimweg kehrten wir noch im nahe der Saale gelegenen Winzerdorf Roßbach in der urigen Kneipe „Zur Hupe“ ein, wo wir uns mit warmen und kalten Getränken sowie wohlschmeckendem Essen labten.

Kneipengang zum Abschluss

Danach ging es am romantischen Kloster Schulpforta vorbei über Bad Kösen, Kukulau, Molauer Platte, Camburg, Dornburg nach Jena zurück, wo wir gegen 15 Uhr wohlbehalten eintrafen!

Eine erlebnisreiche und harmonische Exkursion in die heimischen Orchideen ging zu Ende!

Text:Dr. Helga Dietrich

Bilder:Hans-Joachim Pischeli

 

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Orchideenstammtisch Jena