Sommerfest des "Orchideenstammtisches Jena" in Ziegenrück - Hohenwartetalsperre am Samstag, den 13. Juni 2009

Teil 2

Als Organisator des diesjährigen , wie üblich „abseits vom Stammtisch „ durchgeführten Sommertreffs der Orchideenfreunde, nutzte ich nach der Begrüßung der Teilnehmer die Gelegenheit , an eine immer noch bestehende, aber wenig bekannte Verbindung zwischen Jena und Ziegenrück wie folgt zu berichten.
Den Treffpunkt hatte ich an einer international berühmt gewordenen geologischen Sehenswürdigkeit gewählt, wo in lehrbuchhafter Klarheit ein Beispiel für das Thüringer Schiefergebirge (hier Tonschiefer) zu sehen ist. Mit diesem geologischen Einstieg wollte ich auf eine weitere Sehenswürdigkeit in der Nähe Ziegenrücks, nämlich auf das bei Moxa befindliche Geodynamische Observatorium der Uni Jena hinweisen . Mit dieser Einrichtung und den Aktivitäten von Zeiss Jena zu Beginn des 20. Jahrh. in unserer Region erschließt sich eine wenig beachtete Verbindung zwischen Ziegenrück und Jena , auf die ich bei dieser Gelegenheit betont hinweisen wollte.
Die in Jena seit 1898 betriebenen seismischen Forschungen wurden ab Januar 1964 nach Moxa verlegt. Die Erschütterungen durch den Verkehr und die verbesserte Empfindlichkeit der Messtechnik machten den Umzug erforderlich , wobei für den Standort Moxa auch geologische Aspekte entscheidend waren.Das Observatorium in Maxa zählt zu den weltweit 30 wichtigsten Einrichtungen dieser Art .
Bedeutsam für Ziegenrück bis in die Gegenwart waren die Aktivitäten von Zeiss nach dem ersten Weltkrieg . So wurde die Ludwigshütte - das Objekt gegenüber der Bootsanlegestelle - damals eine Holzschleiferei für die Pappenherstellung bereits 1919 von Zeiss , mit Blick auf seine Kraftwerksvorhaben gekauft und zur landwirtschaftlichen Nutzung verpachtet . Man hatte zu der Zeit das Konrodkraftwerk geplant und dann auch 1920 bis 1922 gebaut .Mit der Inbetriebnahmen 1922 wurde das Saalewasser oberhalb der Ludwigshütte abgeriegelt , und in einem Tunnel durch den Berg (Konrod ) auf die Turbinen geleitet .Das Einlaufbauwerk ist noch erhalten. Der Ludwigshütte hatte man für deren Wasserantrieb buchstäblich „das Wasser abgegraben“. Auf technische Einzelheiten , die im Wasserkraftmuseum Ziegenrück dargestellt sind , soll hier verzichtet werden . Als Folge des Rückstaues am Einlauf zum Konrod hatte der Wasserantrieb der Nähermühle keine Strömung mehr, sodass Zeiss deren Wasserrechte gekauft hat. Die Nähermühle wurde später elektrisch betrieben . Damit aber noch nicht genug. Gleichzeitig hat Zeiss auch die Fernmühle , das heutige Museum gekauft , die 1901 durch den Einbau von zwei Turbinen zu einem Elektrokraftwerk umgebaut worden war . Nach dessen Stillegeung 1965 konnte die Fernmühle vor der Verschrottung gerettet werden und als Museum , das somit den ältesten und einzigen Drehstromgenerator (Baujahr 1901) ganz Deutschlands besitzt , erhalten bleiben . Und weil damals die Fernmühle den Strom für die Pappenfabrik erzeugte , wurde auch die 1921 samt den Grundstücken , die zum Teil heute noch von der Zeiss Stiftung genutzt werden , gleich mit gekauft .Auch in der Ortslage besitzt Zeiss heut noch Grundstücke. Der enorme Bedarf an Elektroenergie jener Zeit führte unter Leitung von Prof. Straubel zu weiteren Projekten der Wasserkraftnutzung . So wurde von Zeiss ebenfalls 1919/20 der Bau des Pumpspeicherwerkes Wisenta unweit von Ziegenrück begonnen .Einzelheiten zu dem damals modernsten Kraftwerk Europas sind ebenfalls im Ziegenrücker Museum zu finden . Bemerkenswert ist , dass die in der Region erzeugte Elektroenergie über eine eigene Leitung vom Konrodkraftwerk aus nach Jena transportiert wurde .Von der Stromtrasse nach Jena existiert nur noch ein Betonmast auf der Fernsicht am Konrod , den wir vom Schiff aus sehen konnten , als technisches Denkmal . Der Rückstau des Hohenwartestausees überflutete Ende der 50ziger Jahre den Auslauf des Konrodkrafterks, sodass es still gelegt wurde . Die Technik wurde 1961/62 verschrottet , heute sind nur noch die Gebäude vorhanden .
Ein Jahrhundert Wasserkraftgeschichte zeigt im weitesten Sinne, wo ständig Wasser fliest bleibt nichts wie es einmal war. Mit der Übergabe aller Wasserkraftanlagen 1963 an den VEB Pumpspeicherwerke Hohenwarte fand das Wirken von Zeiss in unserer Region ein Ende , lediglich Grundstücke und beachtliche Waldflächen sind heut noch im Besitz der Zeiss-Stiftung .

Dr.paed. H.Lang

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Orchideenstammtisch Jena