Sommerfest des im Garten der Familie Kühn (Rudolstadt) am Samstag,
dem 16. Juni 2007

Am Samstag, dem 16. Juni 2007, versammelten sich 19 Mitglieder des „Orchideenstammtisches“ auf dem Grundstück der Familie Horst Kühn in Rudolstadt, Im Eiserstal 2.
Das reichlich 25 000 Einwohner zählende Rudolstadt ist eine Kleinstadt im Saalfeld-Rudolstadt-Landkreis unseres Freistaates Thüringen. Hervorgegangen aus einer ehemaligen fürstlichen Residenz liegt diese Stadt in waldreichen Saaletal und schlängelt sich wie dieses bandartig am weiten Bogen des Flusses entlang.
Die Stadt wurde im Jahre 776 erstmals urkundlich erwähnt und besitzt seit dem Jahre 1326 Stadtrecht. Als weithin sichtbares und die Stadt überragendes Wahrzeichen dient ihr Schloss Heidecksburg, im Moment gerade in Rekonstruktion begriffen.

In einem Seitental der Stadt, in Richtung Teichel, befindet sich das Grundstück von Familie Kühn.
Man hatte wie bei den jährlichen Orchideen-Exkursionen Fahrgemeinschaften gebildet. Familie Bauer und Hanna Stark waren bereits früher eingetroffen, um bei den Vorbereitungen etwas zu helfen. Das war auch nötig, denn kurz vor Beginn der um 16.30 Uhr angesetzten allgemeinen Begrüßung ging ein sommerlicher Platzregen nieder, von dem die meisten anderen unterwegs erwischt wurden. Also musste ein im Garten idyllisch gedeckter Kaffeetisch schnell wieder abgedeckt und vorübergehend alles zurück ins Haus getragen werden.
Zur angesetzten Zeit besann sich aber Petrus und schickte, wenn auch alles rundum nass glänzte und tropfte, erneut starke Sonnenstrahlen nach unten. So konnte das „Gartenspek-takel“ wettermäßig optimal ablaufen.
Diejenigen, die Haus und Garten der Gastgeber bislang nicht kannten, waren erstaunt und voll des Lobes, über die immense Zeit und Arbeit, die Familie Kühn in den vergangenen Jahrzehnten in das ehemals verwilderte Grundstück gesteckt hatte. Man fragte sich nur, wie man so etwas früher „mal nebenbei“ schaffen konnte! Der Hausherr führte in zwei getrennten Gruppen die Anwesenden durch sein Reich. Das war aufgrund der engen Wege und Gewächshausbreiten nicht anders zu organisieren
WillkommenBegrüßung 1

 

 

 

 

 

 

 

Das Gartengelände ist an einem Hang terassenförmig abgesetzt und gestaltet. Viele Gehölze, darunter zahlreiche Obstbäume, aber auch heimische Vertreter, lassen es sehr natürlich erscheinen. Einige mussten in letzter Zeit gefällt werden, da sie Haus und Garten extrem beschatteten. Nun muss der davon betroffene Pflanzenbestand behutsam an die veränderten Lichtverhältnisse angepasst werden.
Zierpflanzen in beachtlicher floristischer Breite sind harmonisch eingefügt, einige Intensivbereiche extra abgesetzt.

SumpforchideeDrosera

 

 

 

 

 

 

Dazu zählen Wasser- und Moor-Bassins mit reichhaltigem Inhalt. In üppiger, rosa Blüte stand gerade die amerikanische Erdorchidee Pogonia ophioglossoides, aber auch die Insektivoren Sonnentau (Drosera), Fettkraut (Pinguicula) oder die durchaus nicht leicht zu haltende Moosbeere Vaccinium oxycoccus gehörten dazu. Der optimale Zustand des Torfmooses (Sphagnum) zeigte allen, welch ausgezeichnete Wasserqualität zur Verfügung steht. Verständlicherweise spielten solche technischen Details und Fragen, „wie machst du dies, wie schaffst du das“ eine entscheidende Rolle beim Rundgang.

Kombination1

 

Wir bewunderten die überaus reichen Bestände von Cypripedium reginae (einige noch in Blüte) und Cypripedium formosanum (verblüht). Beeindruckend auch die zahlreichen Exemplare an sogenannten „Juwelen-Orchideen“ wie Macodes, Ludisia, Anoectochilus-Arten u.a., die in kleinen Spezialvitrinen sachgemäß untergebracht waren. Dass sie in Kultur sehr heikel sind, wissen Experten genau. Interessant auch die Bestände an epiphytischen Farnen, vor allem an kleinblättrigen, und Bärlappen, die sich für eine Vitrinenkultur eignen oder eignen würden.
Selten zu Gesicht bekommt man in Privatsammlungen auch die größeren Araceae-Vertreter. So konnten wir die asiatischen Amorphophallus, aber vor allem blühende Arisaema-Arten bewundern

RaupeIm Warmhaus beeindruckte eine Kollektion unterschiedlicher tropischer Orchideen aus verschiedenen Gattungen, manche blühend, bei denen es nicht darauf ankam, eine Gattung
relativ komplett zu sammeln, sonders das, was dem „Herzen nahe stand“ (mein persönlicher Eindruck!).
Wohl nur wenige wussten, dass unser Mitglied Horst Kühn auch tropische Schmetterlinge kultiviert. Einige seltene Spezies bekamen wir in Raupenform zu Gesicht, ihre durchaus beachtlichen Flügel-Spannweiten konnten wir bei den aufgespießten, adulten Exemplaren in einem Schaukasten später ebenfalls bewundern
Die jeweils Zurückgebliebenen labten sich in der Zwischenzeit am köstlichen Kaffee und dem selbstgebackenen Kuchen. Die Stimmung war entspannt und der „Gartenatmosphäre“ angemessen.

Peter beim Braten

 

Peter Bauer hatte inzwischen begonnen, die Rostbratwürste auf den Grill zu legen und sachgemäß nach Thüringer Art zu grillen. Alkoholfreie Getränke standen zur Selbstbedienung bereit. Man plauderte entspannt über Dies oder Das. Freude bereitete allen die junge, zweieinhalbjährige Hündin Bella, die schmusend versuchte, auch etwas von verführerisch duftenden Bratwürsten zu erbetteln.
Mit sehnsüchtigen Augen saßen wir dabei an einem riesigen Travertin-Gartentisch. So etwas Einmaliges hatte wohl keiner von uns bisher gesehen! Auf einem Kalktuff-Sockel, der noch pflanzliche Abdrücke zeigte, liegt eine meterlange und -breite, etwa 20 cm dicke, polierte Travertin-Platte auf. Die Historie des Naturstein-Findens, seines Transportes und der Montage lies uns nur den Kopf schütteln und nachempfinden, welch körperlicher Einsatz hierbei nötig war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus Wikipedia wurde folgende Info zu Travertin übernommen:
Als Travertin (v. italienisch travertino, lateinisch lapis tiburtinus „Stein aus Tibur“ (heute: Tivoli)) bezeichnet man mehr oder weniger poröse Kalksteine von heller, meist gelblicher bis brauner Farbe, die aus kalten oder warmen Süßwasserquellen abgeschieden wurden. Die Quellen enthalten Calcium- und Hydrogencarbonat-Ionen sowie Kohlenstoffdioxid. Der Travertin selbst besteht fast ausschließlich aus Calciumcarbonat.
Eher mürbe Abscheidungen werden auch Kalktuff, Quelltuff (englisch tufa) oder Duckstein genannt. Die veraltete Bezeichnung Kalktuff kommt von der Ähnlichkeit zum vulkanischen Tuffstein.
Travertine entstehen meist abiotisch, das heißt ohne Mitwirkung von Lebewesen, wenn durch das Entweichen von Kohlendioxid das Löslichkeitsprodukt für Calciumcarbonat überschritten wird.“

Moos hatte sich inzwischen in den kleinen Ritzen und Höhlungen breit gemacht.
Wir fühlten uns wohl und die Zeit verging wie im Fluge. Als die ersten nach Hause mussten oder wollten, kam die Frage nach dem obligatorischen Quiz auf. Aber da die Stimmung so entspannt war, verschoben wir die vorbereiteten Zettel (und Preise) auf die Weihnachtsfeier. Fragen nach Orchideen sind ja wohl zu jeder Zeit für uns aktuell!
Gegen 20 Uhr verabschiedeten sich dann auch alle bislang Verbliebenen. Joachim Pischeli sprach im Namen aller offiziell den Gastgebern unseren Dank aus.
Bella missfiel wohl unser Aufbruch. Nicht ohne „hündischem Stolz“ zeigte sie uns beim Verabschieden am Tor, zu welch rasanter Hetzjagd sie durch ihr unteres Revier fähig war!
Ein gelungener und sehr harmonischer Frühsommer-Nachmittag und -abend ging zu Ende!

Helga Dietrich
Bilder: Hans-Joachim Pischeli

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Orchideenstammtisch Jena