40 Jahre Orchideenfreunde in Jena und Umgebung anläßlich der am 20. Oktober 2005 erfogten Gründung des Orchideen-Stammtisches

 

Als sich am 20. Oktober 1965 nach einem Aufruf in der territorialen Tagespresse Pflanzenfreunde und Fachbotaniker im Hörsaal der Botanischen Institute auf dem Gelände des Botanischen Gartens Jena trafen, ahnten sie wohl nicht, welchen Anklang im Verlaufe der Zeit die initiierten Fachgruppen finden würden. Aufgefordert waren alle zu erscheinen, die an Orchideen, Kakteen und anderen Sukkulenten sowie weiteren seltenen Pflanzen Interesse bekundeten.

Ein bescheidenes Grüppchen von fünf Personen (J. BISSE, M. DILAS, L. KRAUTWURST, R. STARK, H. DIETRICH, BERND KOCH;) versicherte sich gegenseitig ihre - zur damaligen Zeit noch ungewöhnliche - Neigung zu exotischen Tropenwundern. Nach Diskussen zur künftigen Organisation (Zeit- und Treffpunkt, Inhalt, Struktur, Vorsitz) begann eine kontinuierliche, am Anfang aber noch unbeholfene Gruppenarbeit. Alle waren in jenen Anfangstagen einfach noch zu ungeübt in solcher Tätigkeit! Es fehlten wohl auch Erfahrungen, fachliche Kompetenz und Literatur. Als erster Vorsitzender fungierte der im Jahre 1985 leider viel zu früh verstorbene Manfred DILAS (zuletzt Städtische Gewächshäuser Magdeburg), damals Warmhausgärtner im Botanischen Garten Jena. Auch das Gründungsmitglied Dr. Johannes Bisse verstarb leider nach einem tragischen Autounfall in Havanna (Cuba) am 15. Dezember 1984. Diese Anfangs-Gruppenarbeit fand aber trotz ihres holprigen Beginns schließlich Anerkennung. Neue Interessenten meldeten sich, z.B. Herr Dr. FALK, unter ihnen teilweise auch Studenten, spätere Absolventen der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

In jener Zeit waren noch diejenigen Naturfreunde, deren Interesse vorrangig oder ausschließlich den Orchideen-Kleinoden der heimischen Flora galt, in unserer Fachgruppe integriert. Bei einigen Mitgliedern vereinigte sich ja auch der sehnsüchtige Blick in die Tropen und Subtropen mit dem Engagement für die nähere Heimat mit ihren Schätzen und der dafür zu zeigenden Verantwortung und Initiativen. Als Beispiel wäre Herr Ludwig KRAUTWURST zu nennen. Später haben sich diese Orchideenfreunde in der Fachgruppe „Zur Beobachtung und zum Schutz heimischer Orchideen“ der Gesellschaft für Natur und Umwelt im Kulturbund verselbstständigt, um so ihrem wichtigen, spezifischen Anliegen besser gerecht werden zu können. Heute sind manche der damaligen Mitglieder im 1991 gegründeten Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen (AHO) organisiert, beispielsweise Herr Rudolf BAYER, Dr. Wolfgang HEINRICH oder auch Dr. Helga DIETRICH.

Einen breiten Raum in der Gruppenarbeit „Tropische Orchideen“ nahm in dieser ersten Zeit die Beschaffung von Pflanzenmaterial (z.B. das Aufpäppeln geschenkter Rückbulben) und fachlichen Informationen ein. Es wurde viel diskutiert und wechselseitige Erfahrungen - negative und positive - ausgetauscht. Wer Orchideen-Literatur besaß oder erwarb, stellte sie den anderen zur Verfügung. Blühende Pflanzen wurden vorgestellt und bewundert. Einen Höhepunkt in dieser Anfangsphase bildete ein Vortrag des bekannten Orchideenzüchters und Schriftstellers Walter RICHTER aus Crimmitschau, zu dessen Ehren im Jahre 2004 anlässlich seines 100. Geburtstages eine Gedenkveranstaltung und eine Orchideen-Ausstellung in Crimmitschau stattfand.

Die Fachgruppenarbeit profilierte sich; das Vortragsprogramm wurde thematisch reichhaltiger und inhaltlich gehaltvoller. Gastreferenten aus anderen, inzwischen ebenfalls gegründeten Fachgruppen bereicherten die Palette. Die Gruppenmitglieder bezogen auch Fachmaterial über Orchideen, denn ein eigenes zentrales Publikationsorgan, die Zeitschrift „Orchideen“, war gegründet worden und erschien regelmäßig. Die Redaktionssitzungen fanden hier in Jena statt, da Dr. Helga DIETRICH, die dem Redaktionsbeirat bis zu seinem Ende im Jahre 1990 angehörte, wie auch die befreundeten Orchideen-Enthusiasten Rolf STURM aus Suhl oder Gottfried BELKE aus Frankenberg, die auch mit eigenen Beiträgen die Gruppenabende in Jena bereicherten. Aber die Mitglieder der Jenenser Gruppe traten auch selbst als Autoren und Referenten in Erscheinung. Sie begannen auch, im Territorium öffentlichkeitswirksam zu werden. Sicherlich erinnern sich noch manche ältere Jenenser gern der großen Anklang findenden Orchideenausstellungen in den Jahren 1975 bis 1987 - Magnet für Tausende von begeisterten Besuchern aus nah und fern, die trotz Wetterkapriolen lange Wartezeiten in Kauf nahmen. An dieser Stelle soll noch einmal erinnert werden an alle ehemaligen Leitungsmitglieder, unter anderem unser allseits geschätzter, leider im Jahre 2006 verstorbener Rolf STARK, auch Peter BAUER und manche, die heute hier anwesend oder nicht anwesend sind. Es soll aber auch nochmals gedankt sein den Vorsitzenden dieser aktiven Zeit Manfred DILAS, Bernd KOCH, Achim PISCHELI, Dr. Werner WITSACK, Klaus ENDERS und Lothar KITZING, denn vieles gab es sehr zeitaufwendig zu organisieren (z.B. der Bau der Ausstellungs-Vitrinen und deren Unterbringung). Auch war die technische Kommunikation jener Zeit nicht mit den heutigen Möglichkeiten zu vergleichen, Kopiergeräte und Computer existierten nicht, Telefone waren rar etc., so dass Engagement, Ideenvielfalt und Mobilität gefragt war!

Inzwischen wuchs die Fachgruppe jährlich. Die Zahl ihrer Mitglieder betrug 1985 fast 50. Zu vielen Veranstaltungen können Gäste begrüßt werden. Zahlreiche Ehefrauen von Orchideenliebhabern wurden ebenfalls vom „Virus der Orchidiomanie“ infiziert. So gestalteten sich die monatlichen Gruppenabende zu einem sowohl fachlichen als auch gesellschaftlichen Treff, den keiner missen wollte.

Aus Anlass ihres 20jährigen Bestehens im Jahre 1985 hatte sich die Fachgruppe einen weiteren kulturellen Höhepunkt vorgenommen. Sie veranstaltet in den damals neuen Schaugewächshäusern des Botanischen Gartens eine Jubiläums-Orchideenschau vom 8.- 10. November 1985. Wiederum ein voller Erfolg!

Die letzten Jahre der Gruppenarbeit waren gekennzeichnet von den Auseinandersetzungen und Wirren jener Zeit, zudem immer wenige bereit waren, auch einmal Leitungsaufgaben zu übernehmen. Schließlich löste sich die Gruppe im Jahre 1989 bzw. 1990 auf. Glücklicherweise haben nicht alle danach ihr Orchideen-Hobby aufgegeben, sondern im kleineren Stil weiter gepflegt. Und die Liebe zu diesen Exoten ist vielen geblieben! So gab es in den Folgejahren immer wieder Versuche, sich in lockerer Verbindung neu zusammen zu finden. Auf der Fahrt zur WOK in Dijon (Frankreich) im März 2005, an der einige an einer organisierten Busreise teilnahmen, wurde wieder diskutiert. Dieses Bestreben führte letztendlich zur Gründung des Orchideenstammtisches am 20. Oktober 2005, auf den Tag genau 40 Jahre nach dem ehemaligen Gründungs-Treffen.

Hoffen wir, dass dieser lockere, aber dadurch vielleicht unverkrampfte Zusammenschluss ein neues Kapitel in der langen und durchaus erfolgreichen Geschichte der Jenenser Orchideen-Freunde schreiben wird!

Dr. Helga Dietrich

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Orchideenstammtisch Jena