Am Donnerstag, den 17.11. 2011, trafen sich 16 Mitglieder und 1 Gast des Orchideen-Stammtisches in unserer Traditions-Gaststätte "Zur Noll"( Jena, Oberlauengasse 19), um einen Vortrag unseres Mitglieds Thomas BOPP (Jena) zum Thema: "Singapore - facettenreicher Stadtstaat mit viel Grün" zu hören.
In Abwesenheit unseres Vorsitzenden begrüßte Dr. Horst LANG (Ziegenrück) alle erschienenen Orchideenfreunde und Gäste.
Wir begannen wie auch an den letzten Treffen mit der Pflanzenvorstellung, damit die gewisse Unruhe, die beim Bestellen und Hereintragen von Getränken und Speisen immer wieder entsteht, nicht den Referenten benachteiligt. Allerdings wurde dies wieder nur von einem Mitglied allein (diesmal Dr. LANG) - wie leider sehr oft in unserer Gruppe - bestritten. Folgende optimal blühende Objekte wurden aus seiner Paphiopedilum - Spezialsammlung gezeigt:
• Paphiopedilum 'Wössner Butterfly' (Hybride aus P. malipoense x P. vietnamense mit zart rosa angehauchten Petalen und Sepalen)
• Paphiopedilum venustum (Vorkommen in Indien: Assam, Darjeeling, Sikkim) mit einer markanten, grünen, netzförmig geaderten Lippe
• Paphiopedilum xwellesleyanum als Hybride zwischen P. concolor (Vorkommen in China, Myanmar, Thailand und Vietnam) mit P. godefroyae (Vorkommen in Thailand, Vietnam und Malaysia).
Diese Vorstellung wurde gleich zum Erfahrungsaustausch über die teils schwierige Kultur, vor allem aber über die Bekämpfung von Wollläusen und anderen Orchideen-Schädlingen genutzt. Dabei ging es vor allem um ein Abwägen der Vor- und (gesundheitlichen) Nachteile bei der Verwendung der momentan stark vermarkteten Pyrethrum-Produkte als biologische, aber inzwischen vorrangig synthetisch hergestellte Pflanzenschutzmittel (Kontakt-Insektizide). Der Hauptinhaltsstoff Pyrethrin I gilt als die chemische Verbindung mit der höchsten insektiziden Wirkung gegen Eier, Maden und adulte Stadien von Woll- und Schmierläusen, Blattläusen, Weißer Fliege, Spinnmilben, Zikaden, Käfer, Flöhen oder Fraßschädlingen wie Motten. Vorsicht ist aber mit allen Produkten geboten, da sie gesundheits- und umweltschädlich eingestuft sind und vor allem bei Allergikern und Kleinstkindern zu Problemen führen können.
Danach stellte Dr. Helga DIETRICH neue Orchideen-Literatur vor. Sie bestand diesmal aus 2 Buchpublikationen zu heimischen Orchideen sowie 6 neuen Heften der Spezialzeitschriften "Orchids" (3), "Die Orchidee" (2) und "Orchideenjournal" (1). Bei dieser Vorstellung wurde auch über den Tod von Manfred Borchardt, dem langjährigen Leiter des "Vereins Nordwest Thüringer Orchideenfreunde e.V.", unterrichtet, der Jahre lang viele Male die gut besuchten Mühlhäuser Orchideentage organisierte.
Im anschließenden umfangreichen, aber gut aufgebauten Lichtbild-Vortrag (mit Beamer) des Abends stellte ein erschöpfter und übermüdeter Referent, der nach seiner gerade erfolgten Rückkehr aus Indonesien noch vom Jetlag geplagt wurde, den Stadtstaat Singapore näher vor.

Er bewies mit seinen auf mehreren Aufenthalten gewonnenen Motiven, wie auch eine unter Flächendefizit leidende Millionenstadt ein sehr vielfältiges Großgrün aufweisen kann. Singapore (aus dem Sanskrit übersetzt: Löwenstadt) gilt mit seinen 712, 4 km2 als flächenmäßig kleinster Insel- und Stadtstaat in Südostasien, der im Jahre 1965 seine Unabhängigkeit vom Großbritannien erlangte. Er ist also nur etwa doppelt so groß wie München und kleiner als Hamburg. Seine etwa 4,8 Millionen Einwohner leben in der 10teuersten Stadt der Welt! Singapore wird durch die Johorstraße im Norden von Malaysia und durch die Straße von Singapor im Süden von Indonesien getrennt. Neben der Hauptinsel, vorrangig durch die Stadt Singapore mit ihren zahlreichen Hochhäusern geprägt, zählen noch 3 größere (Pulau Ubin, Pulau Bukum und Sentosa) sowie 56 kleinere Inseln zum Staats-bereich. Amtssprachen sind neben Englisch (als Verkehrs-, Handels- und Verwaltungs-sprache) in dem kleinen Vielvölkerstaat auch Malaiisch, Tamil und Chinesisch. Als Wahrzeichen des Staates als einer sehr autokratisch regierten parlamentarische Republik mit strengen Gesetzen gilt ein Fabelwesen, Merlion genannt, das aus einem Löwenkopf mit einem Fischkörper besteht. Über die im Jahre 1981 ernannte Nationalblume Vanda 'Miss Joaquim' freuten sich die Anwesenden, da es sich um eine Orchidee, nämlich um die im Jahre 1893 aufgefundene Naturhybride zwischen Vanda teres mit V. hookeriana, handelt.

Das Klima ist wie in ganz Südostasien tropisch feucht mit Durchschnittstemperaturen um 28 Grad, die für Menschen mit Herz- und Kreislaufproblemen nur schwer zu ertragen sind. Als Gründer der "modernen" Stadt Singapore wird Thomas Stamford RAFFLES betrachtet, der im Jahre 1819 im Namen der Britischen Ostindien-Kompanie eine Niederlassung auf der bis dahin ausschließlich zum Fischfang genutzten Insel gründete. Dieser Verwaltungsmensch zeichnete sich aber auch durch ausgeprägte botanische und zoologische Ambitionen aus, die er bei zahlreichen Exkursionen im malaiischen Gebiet auslebte. Sie gipfelten in dem Auffund der größten Einzelblüte der Welt, nach ihm Rafflesia (wie auch die zugehörige Pflanzenfamilie Rafflesiaceae) genannt, die seinen Ruhm bis ins ferne Europa trugen.
Singapore gilt als eine "fine city", also ein Gebiet, das zwar sauber und schön wirkt, aber auch bei schweren Straftaten (z.B. Gewalttaten, Suchtmittelmissbrauch) und Regelverstößen (Rauchen, Essen und Trinken in öffentlichen Räumen, Lügen!) mit strengsten Bestrafungen (Existenz von Prügel- und Todesstrafe) reagiert. Das kleine Land gilt außerdem seit geraumer Zeit als ein moderner und expandierender Industriestaat mit privatisierter Volkswirtschaft und wird mit zu den sogenannten "Tigerstaaten" gezählt. Auch der florierende Tourismus stellt eine zusätzliche Einnahmequelle dar, die ausgebaut werden soll. Nur Wohnungsmarkt und privater Autobesitz sind streng reguliert. Übrigens herrscht aufgrund der englischen Kolonial-Vergangenheit Linksverkehr.
Schon die ersten Fotos von der Ankunft auf dem Singapore Changi Airport als dem bislang bedeutendsten in ganz Südostasien ließen die Herzen der Orchideenfreunde höher schlagen.

Überall verbreiten dekorative Grünpflanzen mit vielen Palmen und Araceen sowie Tausende blühender Orchideen im Verein mit kleinen Wasserinseln und plätschernden Wasserfällen, aber auch farbig abgestimmten, weichen Teppichböden eine entspannende und gefällige Atmosphäre. Wer schon einmal, wie auch zwei weitere Mitglieder des Orchideenstamm-tisches (STARK, DIETRICH), diesen Flughafen betreten hatte, konnte nur dem Referenten zustimmen, dass man sich fast wie auf einer Orchideenschau fühlte.
Einen Großteil des Vortrages bildeten Impressionen vom "Singapore Botanic Garden", der im Jahre 1859 ebenfalls von RAFFLES gegründet wurde, und einigen weiteren Parks und Gärten der Hauptinsel sowie von zwei der größeren Inseln. Der 64 ha große Botanische Garten (mit einer geplanten Erweiterungsfläche von 10 ha) ist täglich von 5 bis 24 Uhr geöffnet, der Eintritt dabei frei.

Auf dem Gelände wird ein hoher Prozentsatz der heimischen Pflanzenwelt gezeigt, aber auch einige spektakuläre Tiere wie Schlangen, Bindenwaran oder Affen gehalten. Besonders gerühmt wird die Orchideensammlung im angeschlossenen "National Orchid Garden", wo allerdings Eintritt verlangt wird. Hier werden zahlreiche Arten und Hybriden vor allem der Gattungen Vanda, Vandopsis, Renanthera, Ascocentrum, Aerides, Arachnis, Phalaenopsis, Dendrobium oder Arundina kultiviert und showmäßig arrangiert. Eine Besonderheit des Botanischen Gartens stellt der 1,5 ha große, erst kürzlich gestaltete "Evolution Garden" dar, der mit vielen Felsen, mehrfarbigen Gesteinen und lebenden Pflanzen (besonders Koniferen, Moosen, Schachtelhalme, Bärlappe, Farne, Cycadeen), aber auch künstlichen Vulkanen und Fossilien die Jahrmillionen währende Entfaltung des pflanzlichen Lebens auf der Erde vermittelt.

Eine weitere Tour führte auf die südlich der Hauptinsel gelegene, 5 km2 große Insel Sentosa, die als beliebtes Naherholungsgebiet und wichtiges Touristenzentrum, vor allem wegen seiner künstlich angelegten Sandstrände und zahlreicher Attraktionen, gilt. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt das 10 Jahre alte "Underwater World" Ozeanium mit attraktiven Fischen (z.B. Haie, Rochen, Moränen oder die zu den Seepferdchen gehörigen Fetzenfische), Korallen, Schildkröten und Delphine.
Nur 12 km von der City Singapore's entfernt liegt auch ein einmaliges, artenreiches Urwald-gebiet von etwa 164 ha Größe, das "Bukit Timah Nature Reserve", bereits im Jahre 1883 unter Schutz gestellt. Neben seiner noch relativ ursprünglichen Pflanzenwelt, die sogar noch als Primärregenwald eingestuft wird (u.a. auch mit vielen Didieraceen an Gehölzen sowie Karnivoren), überzeugt das Gebiet durch seinen Reichtum an exotischen Vögeln, Schmetterlingen und Affen (Langschwanz-Makaken). Auf vielen Waldpfaden, auch von Joggern geschätzt, kann man den 163 m hohen Gipfel des Timah erreichen, der gleichzeitig den höchsten natürlichen Punkt Singapore's darstellt.
Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel der Stadt stellt der 20 ha große, im Jahre 1971 eröffnete "Jurong Bird Park" dar, der sich durch seinen Vogelreichtum von ca. 9000 Exemplaren aus etwa 600 Arten, besonders vielen Papageien, auszeichnet. Attraktiv hierbei ist eine begehbare und mit einem künstlichen Wasserfall versehene, mit Drahtgeflecht überdachte Großvoliere, in der man die Vögel besucherfreundlich erleben und fotografieren kann.
Erwähnenswert war auch der sogenannte "Eco Garden", ein ökologisch ausgerichtetes Areal, das zahlreiche Kulturpflanzen beherbergt, wobei deren Nutzen und Verwendung erläutert wird.
Als letzte Station wurde die nordöstlich gelegene Insel Pulau Ubin (malaiisch "Granitinsel"), 7 km lang und 2 km breit, inzwischen als Nationalpark deklariert, aufgesucht. Der Name leitet sich von unzähligen Steinbrüchen ab, in denen bis in die letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts Granit abgebaut wurde. Das Inselalter wird auf 200 Millionen Jahre geschätzt. Kleine Holzhütten auf Pfählen (Kampong-Hütten) und kein Strom aus der Dose erinnern noch an das einfache, mitunter idyllisch wirkende Leben vergangener Zeiten. Auch werden neben Kokosmilch, Bananen, Papayas und Mangos die bei den Einwohnern sehr beliebten Durians angeboten, große, bestachelte Früchte, deren Transport sonst in den Beförderungs-mitteln des Stadtstaates wegen des intensiven, fast infernalischen Geruchs verboten ist. Einige Motive mit diversen Sonnenuntergängen, Lieblingsmotive des Referenten, beendeten den beeindruckenden Vortrag
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Der Beifall aller Anwesenden sowie Dankesworte bewiesen dem Referenten, wie gut sein Vortrag angekommen war!
Unsere nächste Zusammenkunft wird am 15. Dezember 2011 am gleichen Ort zu gleicher Zeit stattfinden, in der wir unsere jährliche Weihnachtsfeier in diesem Jahr hoffentlich in entspannter Atmosphäre genießen können, nachdem sie im Vorjahr wegen der damals herrschenden Schnee- und Eiskatastrophe ausfallen musste.
Ein Quiz zum Thema "Deutschland" ist vorbereitet. Schön wäre es, wenn außer der Autorin auch andere Mitglieder ein kleines Präsent für die Gewinner mitbringen könnten.
Text: Dr. Helga Dietrich
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