Bericht über den Besuch der 11. Orchideenschau des "Vereins der Orchideenfreunde Zwickau e.V." vom 25. bis 27.03. 2011.

Im Großen Saal des Klubhauses Sachsenring, Crimmitschauer Straße 67 in 08058 Zwickau fand vom 25.- 27.03.2011 nach einem Jahr Pause die inzwischen schon 11. Orchideenschau des "Vereins der Orchideenfreunde Zwickau e.V." unter der Leitung von Arndt LIEBIG statt, wozu auch die Mitglieder des Jenaer Orchideenstammtisches ganz herzlich eingeladen wurden.

Die Ausstellung war täglich von 9-18 Uhr, am letzten Tage bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostete moderate 3 Euro. Jeder 250igste Besucher erhielt ein kleines Pflanzenpräsent. In einem Vorraum konnte man sich bei Bedarf an einem Büffet mit Getränken, Snacks und Fastfood bescheiden beköstigen.

Dem Aufruf zum Besuch folgten 6 Mitglieder des Orchideenstammtisches Jena (Horst KÜHN, Hanna STARK, Anneliese und Horst LANG, Francie JAGIELLA, Helga DIETRICH). Man reiste privat und an den drei unterschiedlichen Tagen an. Das Wetter zeigte sich während der Ausstellung - den Wünschen der Veranstalter entsprechend - von seiner unterstützenden Seite, da es draußen trüb war und nieselte, somit also kaum ein Spaziergang im Freien als Wochenend-Konkurrenz lockte.

Auf ca. 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche waren in üppiger und origineller Form Orchideen mit ihren Beipflanzen (vor allem Bromeliengewächse, Moose und Farne) liebevoll arrangiert. An der Ausstellung hatten sich sowohl alle (40) Mitglieder der Zwickauer Gruppe, wenn auch in unterschiedlicher Bereitstellung von Pflanzen, als auch die DOG Gruppe Chemnitz beteiligt.

Orchideenzusammenstellung

Empfangen wurde man eingangs durch die, schon als charakteristisch für die Zwickauer Ausstellungen empfundenen "Bilderrahmen", in denen Orchideen in Gemeinschaft mit Pflanzgrün und passendem Beiwerk kunstvoll arrangiert wurden. Eine Stelltafel erinnerte an Dr. h.c. Walter RICHTER und die beiden nach ihm benannten Orchideen. An einigen Ausstellungsständen verwies man auch auf eine Besonderheit der hiesigen Bergbauregion und bereicherte insgesamt die Exposition um ein neues Thema "Orchideen in Gemeinschaft mit Gesteinen, Mineralien und Fossilien".

Gleiches galt auch für den Themenkomplex "Winterharte Orchideen", wobei vor allem die attraktive Erdorchidee Pleione mit mehreren Arten und Sorten in den Farbtönen Rosa, Hell- bis Purpurrot, Gelb und Weiß mit prächtigen, dazu farblich kontrastierenden und variabel gezeichneten Lippen dominierte.

PleionenInzwischen werden auch von asiatischen und europäischen Züchtern großblütige und prachtvolle Sorten außer den 12-20 bekannten, sowohl im Frühjahr als auch im Herbst blühenden Arten angeboten.

einzelne Pleionen

Sie konnten später an einem speziellen Verkaufsstand in unterschiedlichen Entwicklungsstufen von nichtblühend, knospend bis blühend erworben werden. Für das Freiland eignen sich bei uns vor allem die im Frühjahr blühenden Vertreter.

Miniaturorchideen in einem bemerkenswerten Artenspektrum waren dagegen in kleinen Vitrinen bzw. auch an Gitterrosten von zwei Verkaufsständen untergebracht. Für manche der winzigen Blüten von höchstens 1-2 mm Größe hätte man eigentlich eine Lupe benötigt. Mancher Besucher wollte gar nicht glauben, dass es sich bei ihnen auch um Orchideen handelte, war man doch oftmals von den übergroßen Blüten mancher käuflichen Sorten in Supermärkten und Gartenbaucentern verbildet.

Alle sechs Händlertische waren - wie allgemein üblich, wenn nur in einem einzigen Raum ausgestellt wird - an den Seitenwänden positioniert. Ergänzt wurden die Pflanzenverkäufe durch einen Mineralien-Edelstein-Stand mit teils unbekannten und witzigen Produkten für jeden Geldbeutel, die sich durchaus als Geschenke oder Mitbringsel anboten.

Auch der Herausgeber des zweimonatlich erscheinenden farbigen Magazins "Orchideenzauber", Dr. Jürgen SCHMIDT, war mit allen bisher erschienen Ausgaben seiner entweder im Zeitschriftenhandel, bei Gartenbaubetrieben oder beim Verlag bzw. als Abonnement erhältlichen Hefte vertreten und warb um Käufer und Autoren.

Die Palette der blühenden Orchideen-Gattungen war groß. Verständlicherweise dominierten, wie bei vielen Ausstellungen, Paphiopedilum, Phalaenopsis, Dendrobium, Cymbidium, Cattleya, Odontoglossum, Oncidium, Epidendrum (und verwandte Gattungen) sowie deren Sorten und Hybriden.

Orchideenzusammenstellung

Eine Prämierung der Exponate wurde von vier erfahrenen Mitgliedern der Zwickauer (3) und Chemnitzer Orchideengruppe (1) in Eigenregie durchgeführt. Die Zusammensetzung der Kommission wechselt in überaus demokratischer Weise von Ausstellung zu Ausstellung. Alle Gold-, Silber und Bronzemedaillen, aus Keramik gefertigt und mit jeweils unterschiedlichen und bei jeder Ausstellung wechselnden Orchideenmotiven versehen, wurden vom Vereinsmitglied Martin SONNTAG selbst entworfen und hergestellt. Somit bedeutet jede einzelne Medaille ein Unikat. Den prämierten Ausstellern wird nach Ausstellungsende diese Medaille/n als bleibendes Andenken und Nachweis der erbrachten Leistung überreicht - eine vermutlich einmalige und überaus begrüßenswerte Prozedur anstelle von den relativ gleichförmigen Metall- oder Pappetiketten bzw. Urkunden. Von jeder Medaille können pro Ausstellung jeweils 5 vergeben werden. Das wird nicht immer, um die angestrebte Qualität zu sichern, voll ausgenutzt.

Von den diesjährigen vergebenen Auszeichnungen sollen hier nur die fünf mit Goldmedaillen bedachten erwähnt werden:

• Sie betreffen ein Angraecum sesquipedale mit 7, sich im idealen Öffnungszustand befindlichen Blüten, ein Exponat, dass Herr Lutz LEHRADT (Niederlausitz: Großräschen OT Allmosen) zur Verfügung stellte. Dieser madagassische Endemit hatte aufgrund seines ungewöhnlichen, durchaus über 40 cm Länge erreichenden und mit Nektar gefüllten Spornes schon Charles DARWIN beschäftigt, der seinerzeit als Bestäuber einen langrüsseligen Nachtschmetterling voraussagte. Diese Prognose bewahrheitete sich leider erst drei Jahrzehnte später nach Darwins Tod. Der Volksname "Stern von Madagaskar" ließ sich beim Ausstellungsobjekt mit seinen fast gleichmäßigen, sternförmigen, etwas fleischigen und vor allem nachts stark duftenden Blüten gut nachvollziehen. Übrigens war an anderer Stelle noch eine weitere, allerdings "nur" dreiblütige, aber auch sich in einem sehr guten Kulturzustand befindliche Pflanze zu bewundern.

• Die zweite derart dekorierte Orchidee betraf eine interessante, hell- und auffallend kleinblütige, leider (noch) unbestimmte Stanhopea von Günther HEGER (Tautenhain bei Bad Klosterlausnitz).

• Eine weitere Goldmedaille errang ein Chysis bractescens aus dem tropischen Mexico bis Mittel-Amerika mit seinen wachsartig wirkenden, duftenden, weißen, etwa 8 cm im Ø erreichenden Blüten mit gelber, rötlichgezeichneter Lippe des Ausstellers Ch. TIETZ (Langenhessen bei Werdau).

• Die vierte ging an ein Dendrobium sanderae von D. SCHUBERT (DOG-Gruppe Chemnitz) mit zahlreichen, großen, durchaus 10 cm Ø erreichenden, weißen, am Lippengrund purpurn gefärbten Blüten, eine Art, die ursprünglich von den Philippinen stammt. • Wie auch für ein viel- und dichtblütiges Dendrobium densiflorum, vor allem in Amerika mit dem Trivialnamen "Ananas-Orchidee" tituliert, mit mehreren hängenden Trauben, ursprünglich aus dem tropischen Südostasien (Nepal, Indien, Birma) sowie für den Standaufbau der Zwickauer Gruppe unter dem Motto "naturnahe Gestaltung" unter der Verantwortung von G. DINTER und M. SONNTAG.

Am Sonnabend, den 26. März, hatte man in Erinnerung an "unseren" bekannten Orchideen- und Bromelienzüchter, Fachautor und begnadeten Referenten Dr. h.c. Walter RICHTER, der in diesem Jahr hundertsieben Jahre alt geworden wäre, zu einem Treffen seiner ehemaligen engen Mitstreiter und Freunde eingeladen. Man erhoffte sich davon auch einen Ansatz, um die meist nur zerstreut vorhandenen Infos und Dokumente zur Person sowie zur Historie des RICHTERschen Züchterbetriebes in Crimmitschau in einem geplanten Archiv zu sammeln und computermäßig zu erfassen. Möge diese Vorhaben fruchten und Erfolg haben! Die Stimmung während des Treffens soll jedenfalls erfreulich familiär und anregend gewesen sein.

Als Fazit der Ausstellung kann gelten:

An Besuchern wurden in den drei Tagen knapp 3300 gezählt, wodurch die Unkosten der Ausstellung gedeckt und ein leichter Überschuss erzielt wurde.

Die Ausstellung selbst kann man mit dem Slogan "klein, aber fein" umreißen und einschätzen! Nur wer selbst schon derartige Ausstellungen organisiert und/oder mitgestaltet hat, kann ermessen, welcher Zeitaufwand für alle großen und kleinen Vorbereitungsschritte nötig war, um ein derartiges Ergebnis zu erzielen. [Persönlich konnte ich einen unmittelbaren Vergleich mit einer flächenmäßig ähnlich großen Ausstellung auf der EGA Erfurt am 6. März ziehen, die zu Ungunsten von Thüringen ausfällt, und die von fachkundigen Besuchern dahingehend kommentiert wurde, dass man anstelle in diese Ausstellung ja auch gleich in jedes beliebige Gartencenter hätte gehen können!]

Zahlreiche Mitglieder des Zwickauer Vereins standen während der drei langen Ausstellungstage für Auskünfte, Infos und Beratungen zur Verfügung und mussten geduldig immer wieder manche oft gestellte Frage beantworten. Andere, vor allem weibliche Vereinsmitglieder und Angehörige, wirkten mehr unsichtbar im Hintergrund und sorgten für das leibliche Wohl aller beteiligten Aussteller und Helfer. Aus eigener Bewirtung kann eine geborene Sächsin dazu nur sagen: "das Schälchen Heese un de Fettbemmen" haben vorzüglich gemundet!

Ein großes Lob zum Schluss also den Zwickauer Orchideenfreunden für ihren Einsatz, den damit verbundenen zeitlichen und materiellen Aufwand sowie die gewohnte Qualität, womit der Stadt Zwickau bereits im Frühjahr ein kultureller Höhepunkt beschert wurde, wie dankbare Besucher, so wie wir auch aus Jena, äußerten!

Text: Dr. Helga Dietrich Fotos Horst Kühn und Dr. Horst Lang

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Orchideenstammtisch Jena