Am Donnerstag, den 18. 03. 2010, trafen sich wiederum planmäßig 15 Vertreter des Orchideen-Stammtisches in der Traditions-Gaststätte „Zur Noll“, diesmal bei besseren Witterungsverhältnissen als in den vergangenen Monaten, um einen Vortrag ihres Mitgliedes Dr. Gösta Clausner mit dem Thema: „Naturwunder Brasilien Teil 1“ zu hören.
Unser Vorsitzender Achim Pischeli begrüßte eingangs alle erschienenen Orchideenfreunde und -gäste. Von einigen Abwesenden konnten Grüße übermittelt werden. Danach erhielten diejenigen Mitglieder, die keinen Internet-Anschluss besitzen, Kopien des Februar-Vortrages über „Sulawesi Teil 1 und 2“ (Thomas Bopp) sowie den Bericht über unsere Fahrt zur 21. Orchideenschau in Bad Salzuflen (Dr. Helga Dietrich, Horst Kühn).
Anschließend berichteten die beiden Letzteren über diese eintägige, überaus gelungene Fahrt zur Orchideenschau (siehe eigener Bericht im Internet).
Traditionsgemäß wurde neu erschienene und privat erworbene Orchideenliteratur ausgelegt. Konkret handelte es sich dabei um:
Anschließend zeigten unsere Mitglieder Peter Bauer, Hanna Stark und Thomas Bopp ihre mitgebrachten blühenden Schätze. Folgende Objekte konnten bewundert werden:
Dr. Gösta Clausner berichtete anschließend - in einem ersten Teil – mit etwa 350 Bildern über eine dreiwöchige organisierte Rundreise von Juli-August 2008 (gemeinsam mit Ehefrau Eva und einer Gruppe von Naturfreunden) nach Brasilien. Dieser südamerikanische Staat ist hinsichtlich seiner Fläche (8.514.215 km²) und seiner Bevölkerungszahl (191.5 Mill. Einwohner) der größte Südamerikas (47,8% des Subkontinents einnehmend) und damit gleichzeitig der fünfgrößte Staat der Erde (!). Landessprache ist Portugiesisch mit einem eigenen Slang (Brasilianisch). Benannt ist dieses Land nach dem Brasilholzbaum (Caesalpinia echinata), der im Portugiesischen Pau-Brasil heißt, wobei „Brasa“ „Glut bzw. flammendes Holz“ bedeutet. Als die Portugiesen dieses Land eroberten und kolonisierten war dieser Baum noch ein überaus häufiges Gehölz in den Regionen an der Atlantikküste. Man erkannte allerdings sehr schnell seinen Wert als Farbstofflieferanten, der in Europa zum Rotfärben von Stoffen reißenden Absatz fand. Es wurde eines der wichtigsten Ausfuhrgüter und dadurch fast ausgerottet. Heute ist diese Art nicht nur Nationalblume, sondern auch streng geschützt! Sogar aktuell noch stellt das aus dem Holz gewonnene Rot einen wichtigen Farbstoff für Gesicht- und Körperbemalungen der indigenen Bevölkerung dar, wie uns anhand von Aufnahmen gezeigt wurde. Hauptstadt mit derzeit rund 200.000 Einwohnern ist seit dem Jahre 1960 die damals durch den deutschen Architekten Oscar Niemeyer geplante und in drei Jahren erbaute Stadt Brasilia, deren nicht langsam gewachsene, sondern auf dem Papier konstruierte Entstehung wir anhand von Luft- und Flugzeugfotos nachvollziehen konnten.
Brasilien gehört klimatisch vorzugsweise zu den Tropen, nur der Süden ist subtropisch. Im Vortrag wurden uns bemerkenswerte und auffällig kontrastierende Vegetationsstufen mit ihren charakteristischen Landschaften und markanten Pflanzenarten vorgestellt, bei denen man die weit verbreitete, sehr generelle Vorstellung über Kulturbedingungen von brasilianischen Orchideen und anderer Exoten revidieren musste! In diesem ersten Vortragsteil ging es konkret um die Gebiete:
Mit eindrucksvollen Aufnahmen wurden wir bekannt gemacht mit Klima, Geologie (z.B. die über 1 Milliarde alten Gesteinskonglomerate in Chapada Diamantina), den wichtigsten Städten und markanten Baudenkmalen (z.B. das berühmte, bereits 1896 eingeweihte Opernhaus Teatro Amazonas in Manaus), den Menschen und ihren Lebensbedingungen, unterschiedlichen Landschaften, vielen Pflanzen (z.B. die berühmte Seerose Victoria regia), darunter natürlich Orchideen (z.B. Habenaria johannensis, Cyrtopodium aliciae, Cattleya elongata) und andere Epiphyten, Tieren und gelungenen Stimmungsbildern. Aber es wurden auch kritische Töne laut zum erschreckenden Abholzen des immergrünen tropischen Regenwaldes in den Tieflandsgebieten oder über die Schäden, die durch Diamanten- oder Goldschürferei entstanden. Immer wieder wurden die eigenen Aufnahmen durch Tabellen, Schemata oder Google-Earth-Bilder untermauert.
Der Beifall der Anwesenden zeigte dem Referenten, wie gut sein - sicher in der Vorbereitung sehr mühevoller - didaktisch hervorragender sowie allgemein bildender Vortrag angekommen war! Wir freuen uns schon auf den zweiten Teil im kommenden Jahr.
Der nächste Orchideen-Stammtisch wird am 15 April stattfinden, in dessen Mittelpunkt der Vortrag von Achim Pischeli über „Heimische Orchideen“ stehen wird, quasi auch in Vorbereitung unserer traditionellen Mai-Orchideen-Exkursion in ein reizvolles Gebiet unseres schönen Thüringens.
Text: Dr. Helga Dietrich
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