Naturerlebnis Georgien: wildromantisches Land zwischen Kaukasus und Schwarzem Meeer
(Dia-Vortrag HDoz.Dr.habil. Helga Dietrich 19.11.2009)

Georgien nimmt mit seinen ca. 70 000 Quadratkilometer Fläche, die ungefähr der von Bayern entspricht, als Landbrücke zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer eine Mittlerstellung zwischen Europa und Asien ein. Diese Region wurde bereits seit der Altsteinzeit vor ca. 200.000 - 40.000 Jahren besiedelt. Heute zählt die Präsidialrepublik etwa 5 Millionen Einwohner, wobei auf die Hauptstadt Tbilissi (= Tiflis, etwa 1550 Jahre alt!), im Tal des Mtkwari-(= Kura)-Flusses zwischen dem Trialetischen- und Sagurami-Gebirge gelegen, allein 1,4 Millionen entfallen.

Tiblissi
Georgien erweist sich als ein Land großer landschaftlicher Kontraste, einzigartiger Kultur und Historie (Wiege des Christentums), gut erhaltener Kulturdenkmäler wie alte Klöster, Kirchen und römische Bäder, mit einem angenehmen, milden Klima (geographische Breite wie Mittelitalien), mancher unbekannten Traditionen und vielgerühmter Gastfreundschaft. Kulturell beeindruckend sind das berühmte Höhlenkloster Dawit-Garedscha als östlichster Vorposten des Christentums im 9. Jh. (13 verborgene Klöster) sowie das nahe gelegene Kloster Udabno mit Fresken aus dem 10. und 11. Jh., beide im Grenzgebiet zu Aserbaidschan gelegen.
Zwischen dem Großen Kaukasus im Norden mit seinen Erhebungen über 5000m, dem Kleinen Kaukasus im Süden mit Höhen bis zu 3700 m, den Steppengebieten des Ostens und der subtropischen Kolchis mit ca.100 km Ausdehnung am Schwarzen Meer (Land des „Goldenen Vlieses“) prägen hohe, gletscherreiche Berge, tiefe Täler, breite Flussniederungen, faszinierende Höhlen, Wasserfälle, dichte Wälder (rund 43% der Landesfläche sind mit Wald bedeckt) und wogende Steppen die Landschaft. Immerhin liegen ca. 20% der Landesfläche über 2000m ü NN!

Höhlenkloster

Auf der Fahrt zum Großen Kaukasus auf der berühmten georgischen Heerstraße (1799 von Russland so benannt; 213 km lang, von Tbilissi bis nach Wladikawkas im russischen Nordossetien führend) konnte man diesen alten, spektakulären Karawanenweg erleben, der schon vor Jahrhunderten den Norden mit dem Orient verband und von Händlern und Soldaten gleichermaßen genutzt wurde. Zuerst ging es im Kura-Tal entlang, vorbei an der Festung Ananauri aus der osmanischen Epoche (17. Jh.), danach durch das Tal des Flusses Aragwi mit Mineralquellen und einem artenreichen Bergwald mit Fagus orientalis (Orientbuche), Ostrya carpinifolia (Hopfenbuche) und genetisch reinen, sehr alten Populus nigra (Schwarzpappel)-Beständen. In diesen Wäldern und Lichtungen fanden wir an Orchideen Cephalanthera damasonium, C. rubra, Orchis purpurea ssp. caucasica, Platanthera chlorantha und Epipactis helleborine s.1.

Großer Kaukasus
Überall boten sich dabei spektakuläre Ausblicke auf die kaukasischen Bergriesen, die mit dem 5047m hohen Kasbek als erloschenem Vulkankegel beim Ort Stepazminda (bis zum Jahre 2006 Kasbegi genannt) ihren Höhepunkt zeigen. Es ist jener Berg aus der griechischen Mythologie, an den Prometheus vom entzürnten Zeus angekettet gewesen sein soll, weil er den Göttern das Feuer stahl und den Menschen brachte. Dazu verdammt, ohne Nahrung, Wasser, Schlaf und Kleidung in diesem unwirtlichen Gebirge zu überleben, kam, um seine Qualen noch zu steigern, täglich der Adler Ethon und riss ihm die immer wieder nachwachsende Leber aus dem Leibe, bis ihn nach Jahrhunderten aus Mitleid Herakles erlöste.
Auf einem Vorgipfel in 2170 m ü NN ragt über dem Ort als markantes Wahrzeichen die berühmte Wallfahrtskirche Zminda Sameba (= Dreifaltigkeitskirche) aus dem 14. Jh., in der Jahrhunderte lang der georgische Kronschatz und das Weinrebenkreuz der heiligen Nino (um 325-361 u.Z.) aufbewahrt wurden.
Wegen seines floristischen (etwa 8000 Pflanzenarten mit einem hohen Endemiten-Anteil) und faunistischen Reichtums zählt die WWF (World Wide Fund For Nature) Georgien zu den wichtigsten Ökoregionen der Erde! An Orchideen sind 51 Arten aus 20 Gattungen bekannt.

Kleiner Kaukasus

Der häufig wechselnde geologische Untergrund, die Höhenstufen und damit in enger Verbindung die jährlichen Niederschlagsmengen bilden die Voraussetzung für diese reichhaltige Pflanzenwelt. Für den gesamten Kaukasus werden 6530 Blütenpflanzen -Arten genannt, davon ca. 1600 Endemiten.
Aus der einmaligen landschaftlichen Palette, seinen kaukasischen, kolchischen und Steppen-Elementen, seinen Nationalparks, seinen freundlichen, aber stolzen Bewohnern sowie einer prägnanten Flora und Fauna wurden ausgewählte Beispiele anhand von Dias vorgestellt.

Kleiner Kaukaasus 1

Die Referentin weilte in den Jahren 2006 und 2007 jeweils für zwei Wochen einmal mit Biologiestudenten, zum anderen mit Botanikern in Georgien. Organisiert und geleitet wurden diese Reisen durch den in Tbilissi lebenden und arbeitenden deutschen Lehrer und Künstler Hans Heiner Buhr (www.kaukasus-reisen.de; dadurch deutschsprachige Reiseleitung), naturkundlich durch den Berliner Cecidologen (Pflanzengallen-Spezialisten) Dr. Hans Buhr (www.pflanzengallen.de) und botanisch durch den georgischen Botaniker Gregori Deisadse.

Rhododendron ponticum

Auch für das Jahr 2010 (19. Juni - 2. Juli) ist eine adäquate Reise geplant (siehe Internet!).

Folgende Orchideen wurden im Vortrag gezeigt:

Cephalanthera rubra (Rotes Waldvöglein)
Dactylorhiza urvilleana(Urvills’s Knabenkraut); Massenbestände
Dactylorhiza euxina (Schwarzmeer-Knabenkraut); Massenbestände
• sowie deren Hybriden
Dactylorhiza flavescens (Gelb werdendes Knabenkraut)
Coeloglossum viride (Grüne Hohlzunge)
Platanthera chlorantha (Grünliche Waldhyazinthe)
Gymnadenia conopsea (Große Händelwurz)
Orchis mascula (Stattliches Knabenkraut)
Traunsteinera sphaerica!!! (Kugelige Kugelorchis)
Neottia nidus-avis (Vogel-Nestwurz)
Goodyera repens (Kriechendes Netzblatt)
Corallorhiza trifida (Korallenwurz)

Folgende andere seltene Pflanzen wurden gezeigt (Auswahl):

Ephedra procera
Ephedra distachya (Meeresträubel)
Hedera colchica (Kolchis-Efeu)
• Südosten Kachetiens: Naturpark Lagodechi an Hängen der Kaukasus-Vorberge mit Steppenimpression und beeindruckenden Stipa capillata -Beständen
Cotinus coggygria (Perückenstrauch)
Rhododendron luteum (Gelber Rhododendron)
Rhododendron caucasicum (Kaukasus-Rhododendron)
Rhododendron ponticum (Pontischer Rhododendron)
Daphne caucasica (Kaukasischer Seidelbast)
Daphne glomerata (Knäuel-Seidelbast)
Gentiana angulosa (Kantiger Enzian)
Fritillaria lutea (Gelbe Schachblume)
Fritillaria latifolia (Großblättrige Schachblume)
Alchemilla caucasica (Kaukasus-Frauenmantel)
Galanthus latifolius (Großblättriges Schneeglöckchen)
Primula algida (Kälte ertragende Primel)
Anemone speciosa (Prächtige Anemone)
Lilium caucasicum (Kaukasus-Lilie)
Lilium monodelphum und weitere Lilien-Arten
Chaerophyllum humile (Liegender Kälberkropf)
Heracleum sosnowskyi (Sosnowski-Herkulesstaude)
Doronicum caucasicum (Kaukasus-Gemswurz)
Juniperus polycarpus (Wacholder)
Juniperus sabina (hochgiftiger Sadebaum)
Aquilegia caucasica (Kaukasische Akelei)
Sempervivum caucasicum (Kaukasus-Hauswurz)
Viola caucasica (Gelbes Kaukasus-Veilchen)
Trigonocaryum involucratum (endemische Boraginaceen-Gattung!)
Gladiolus caucasicus (Kaukasus-Gladiole)
Echium altissimum (Hoher Natternkopf)

Folgende Tiere wurden gezeigt:


• Eidechse auf Festungsmauern (eventuell Darevskia spec.)
• Wasserfrosch auf Nymphaea (Seerose)
• Wolfsmilch-Schwärmer-Raupe (Hyles euphorbiae)
• Kaukasus-Agame (Laudakia caucasica)
• Maurische Landschildkröte (Testudo graeca)
• Weißköpfige Gänsegeier (Gyps fulvus)
• Wechselkröte (Bufo viridis)
• Blaue Nacktschnecke auf Hirschzungen-Farn (Phyllitis scolopendrium)

Kasbek-Gipfel

Text und Fotos:

Dr. Helga Dietrich

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Orchideenstammtisch Jena