Am Donnerstag, dem 18.11.2010 trafen sich 15 Mitglieder des Orchideen-Stammtisches Jena sowie 5 Gäste der Orchideengruppen Zwickau, Gera und Chemnitz in der Traditionsgaststätte "Zur Noll". Alle warteten gespannt auf den Vortrag von Herrn Dr. Henryk BAUMBACH vom Institut für Spezielle Botanik der Universität Jena.
Vor dem Vortrag begrüßte unser Vorsitzender Hans-Joachim Pischeli alle Anwesenden und vor allem Herrn Gebhard Rische, allen bekannt durch seine jahrzehntelange Tätigkeit als Orchideengärtner in Chemnitz, bei dem schon viele unserer Orchideenfreunde in der Vergangenheit Raritäten erwerben und Kulturtipps erhalten konnten.
Es wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass sich das Quiz anlässlich der Weihnachtsfeier am 16. Dezember um das Thema "Thüringen" dreht. Auch wurde an die geplante Dresden-Fahrt im kommenden Frühjahr erinnert und darum gebeten, dass zur Dezemberveranstaltung Herrn Dr. Horst Lang die Teilnahme definitiv mitgeteilt werden muss, um die Busgröße der Teilnehmerzahl anzupassen.
Leider hatte keiner der Mitglieder Orchideen aus seiner "Sammlung" mitgebracht, so dass die Besprechung zur Haltung und zu den Besonderheiten dieser gezeigten Orchideen nicht möglich war. Das war wirklich schade, da das Interesse bei Vielen groß ist, zu erfahren, welche Faktoren bei der Pflege zu Erfolgen oder Misserfolgen führt. Deshalb der Appell an alle, künftig blühende Orchideen zur Besprechung mitzubringen. Als die Meisten mit Speise und Trank versorgt waren, konnte der Vortrag beginnen.
In fast anderthalb Stunden brachte uns Dr. Baumbach durch exzellente Fotos und eigenes Erleben interessante Ausführungen über das Leben der einheimischen Bevölkerung, die Naturbesonderheiten der Region, bedingt durch die extremen Landschaftsverhältnissen, sowie Flora und Fauna näher.
Der Himalaya, ein Hochgebirgssystem Asiens nördlich des Indischen Subkontinents und südlich des Tibetischen Hochlandes, erstreckt sich mit einer Breite von 120 bis 200 km und einer Länge von rund 2500 km zwischen Pakistan und Burma. In diesem Gebirge befinden sich die meisten 8000er Berge und der höchste Gipfel der Welt, der Mount Everest.
An Hand von Diagrammen und Schaubildern wurden die klimatischen Verhältnisse in Abhängigkeit von Lage und Höhe dokumentiert, um die nachfolgenden Ausführungen besser verstehen zu können.
Der erste Höhepunkt war der Besuch der Hauptstadt Nepals: Katmandu. Die Fotos und Ausführungen zeigten, dass man hier und überall im Himalaya in eine uns unbekannte Welt eintaucht. Das Chaos auf den Straßen, die überaus unterentwickelte Infrastruktur und die schlechten hygienischen Bedingungen der Stadt konnten wir schnell erkennen.

Die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, der Durbar Square vor dem alten Königspalast Katmandus, beeindruckte durch zahlreiche Tempel und Pagoden. Hier und überall in der Stadt findet man den heiligen Baum der Buddhisten Ficus religiosa, der oft in seinen Ästen die Orchidee Aerides multiflora beherbergt.
Das bunte Treiben auf den Straßen belegt vortrefflich, dass Nepal ein Vielvölkerstaat ist; 50 Volksgruppen leben hier nebeneinander.
Anschließend wurden typische Landschaftsformationen in Wort und Bild dokumentiert. Zuerst besuchten wir die wenige Meter über dem Meeresspiegel liegende, 25 bis 200 km breite und bis zu 800 km lange Tiefebene, das Terai, mit seinem tropischen bis subtropischen Monsunklima, dem wärmsten Landesteil Nepals. Lange Zeit war dieses Gebiet durch die Malariagefahr fast unbesiedelt. Durch die erfolgreiche Zurückdrängung dieser Krankheit ist das Terai heute stark besiedelt. Die natürliche Vegetation, der Salwald, ist in den letzten 40 Jahren daher stark zurückgedrängt und durch ausgedehnte Reisfelder ersetzt worden. Elefanten und Panzernashörner trifft man deshalb in freier Wildbahn nur noch in Schutzgebieten, wie dem Chitwan Nationalpark, an.
Neben Reis werden im Terai auch Bananen und Mangos erfolgreich angebaut.

Das Hauptsiedlungsgebiet des Himalajas ist jedoch das zentrale Pahar-Bergland mit Höhen zwischen 2000 und 4000 m NN mit subtropischem bis temperat gemäßigtem Klima. In der gesamten Höhenstufe ist die Tränenkiefer (Pinus wallichiana) dominierende Waldbaumart, je nach Höähenlage, Exposition und Untergrund können auch Himalaya-Tanne (Abies spectabilis), Himalaya-Fichte (Picea smithiana) und die immergrüne Eichenart Quercus semecarpifolia große Waldbestände bilden. Entsprechend der Höhenlage trifft man in diesen Wäldern viele Rhododendron-Arten in großen Mengen von dunkelrot über zartrot bis hin zu weiß blühend an. Die Wälder an der Waldgrenze (4000-4200 m NN) werden durch die Himalaya-Birke (Betula utilis) gebildet.
Als die hier vorkommende Orchidee Cypripedium himalaicum gezeigt wurde, ging ein Murmeln durch die Reihen. Über der Waldgrenze befindet sich die - vor allem durch Zwergrhododendren gebildete - Krummholzzone.
Als dritte Höhenstufe wurde die alpine Himalaja-Region mit Höhen von 42000 m bis 8840 m NN vorgestellt. Besonders beeindruckte uns der Überlebenskampf der hiesigen Bevölkerung in dieser rauen, jedoch überwältigenden Gebirgskulisse.
Anschließend wurde mit Musikbegleitung eine Zusammenstellung ausgewählter Fotos dargebracht, die nochmals die Einmaligkeit dieser Region eindrucksvoll hervorhoben.
Schade, dass die eineinhalb Stunden viel zu schnell vorüber gingen. Mit einem kräftigem Applaus und dem Dank durch den Vorsitzenden schloss der Abend.
Hans-Joachim Pischeli, Dr. Helga Dietrich Fotos: Dr. Henryk Baumbach
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