Der für den Januar-Stammtisch geplante Vortrag musste aufgrund einer Erkrankung der Referentin auf den Februar verlegt werden.
Hawaii (ehemals Sandwich-Inseln) ist leider vielen Menschen nur durch verkitschte Motive, Fotos oder Filme von Palmenstränden, Sonnenuntergängen, Hulamädchen und dem Ohr schmeichelnden Melodien bekannt. Hawaii selbst bietet dies alles - aber auch eine breite, weitgehend unbekannte Natur-Facette!Der Hawaii-Archipel erstreckt sich über eine Länge von 2 436 km im nördlichen Pazifik von SO nach NW über den nördlichen Wendekreis des Krebses hinaus. Seine Lage in der Mitte des Pazifischen Ozeans bedeutet die isolierteste Inselgruppe der Welt mit den längsten Entfernungen zu den nächsten Kontinentmassen! Der gesamte Archipel umfasst 132 Inseln, unzählige Korallenriffe und Sandbänke, davon 8 große Inseln: Hawaii = Big Island, Maui, Oahu (mit der Hauptstadt Honolulu), Kauai, Molokai, Lanai, Nihau, die bewohnt sind, und die unbewohnte Insel Kahoolawe). Der erloschene Vulkan Mauna Kea auf Big Island ist mit seinen 4205m üNHN der höchste Berg des Pazifiks, der ebenfalls erloschene Vulkan Waialeale (1548m üNHN) gemeinsam mit seinem Nachbarkrater Kawaikini (1598m üNHN) auf Kauai der regenreichste Punkt der Erde (über 12m/Jahr)!

Die Inseln stellen Spitzen erkalteter Schildvulkane dar, deren Haupt-Lavamassen sich unter der Wasserfläche des Pazifischen Ozeans befinden. Alle Berge sind demzufolge tätige oder erkaltete Vulkane. Die vulkanische Entstehung begann im mittleren Tertiär, weshalb der Archipel aus geologischer Sicht vergleichsweise jung ist. Die Region gilt auch heute noch als eine der seismographisch unruhigsten Zonen der Erde mit zahlreichen Erd- und See-Beben sowie Vulkan-Ausbrüchen („Hot Spot“). Als Folge von Seebeben entstehen Tsunamis als riesige, berüchtigte, alles zerstörende Flutwellen.
Die Hawaii-Inseln werden von den meisten Pflanzengeographen der Paläotropis (Tropen der „Alten Welt“, also Afrika und tropisches Asien, Nord-Australien) zugerechnet. Innerhalb dieses umfangreichen Florenreiches kann man sie als eine eigenständige Florenregion betrachten, die Hawaiische Florenregion. Gegenüber der benachbarten und verwandten Polynesischen Florenregion unterscheidet sie sich durch:
• weit nach Nordosten verschoben
• durch sehr hohe Gebirge (bis über 4000m üNHN) charakterisiert
• ihre Flora wird als Ergebnis relativ weniger Einwanderungsereignisse durch episodische Fernverbreitung angesehen
• ehemalige Florenelemente stammen vorwiegend aus der Paläotropis, doch sind auch holarktische (nördlichste Zone Eurasiens und Amerikas), z.B. Ericaceae (Heidekrautgewächse), Ranunculus (Hahnenfuß), Rubus (Himbeere), Carex (Segge) und neotropische (Tropen der sogenannten “Neuen Welt“ = Amerika), z.B. Lobelia und verschiedene Asteraceae (Korbblütler), Elemente bzw. Einflüsse beteiligt
• eigenständige Entwicklung seit Millionen von Jahren, so dass heute 33 endemische Gattungen vorkommen
• Paradebeispiel für „adaptive Radiation“ bei der Sippenbildung. Darunter versteht man
einen Weg der Sippenbildung, der oftmals für Inselfloren und Inselfaunen zutrifft.(engl.
gleichbedeutende Begriffe: adptive radiation, ecoradiation).
Begriffserklärung:
„Vorgang in der Evolution, bei der sich aus einer Ursprungsart Sippen entwickeln, die an
verschiedene Lebensräume oder Lebensweisen angepasst sind. Der Ausdruck Radiation
suggeriert eine gleichsam von einem Punkt ausgehende „Ausstrahlung“.
Geschichte:
Der Begriff stammt aus der Zoologie, wo diese Erscheinung auffälliger ist, da ganze Ordnungen durch eine bestimmte Lebensweise gekennzeichnet sind. Die Tatsache war schon DARWIN (1859) geläufig. Der Ausdruck wurde bekannt durch eine Arbeit von OSBORN (1905), soll aber schon vorher von ihm veröffentlicht sein.“
[verändert nach WAGENITz, Wörterbuch der Botanik (1996)]

Durch die lange Isolation entstand eine sehr eigenständige Pflanzen- und Tierwelt mit einem hohen Prozentsatz von Endemiten, also Organismen, die nur hier und sonst nirgendwo auf der Welt vorkommen. Diese biotische Vielfalt ist allerdings durch zahlreiche Prozesse gestört, dadurch die Gefährdung extrem hoch. Hawaii ist als Inselteilstaat („Aloha-State“) von allen 50 amerikanischen Bundesstaaten hinsichtlich des Rückganges seiner biologischen Vielfalt der gefährdetste!

Hinzu kommt das kaum zu bewältigende Problem der biologischen Invasion. Von etwa 4600 eingeführten oder eingeschleppten Pflanzenarten vermehrten sich ca. 700 in freier Natur und wurden zur ernsthaften Bedrohung für die heimischen Ökosysteme! Nach neuesten Schätzungen sind 63% der autochthonen, also natürlichen Flora und Fauna massiv vom Aussterben bedroht. Ursachen dafür sind darin begründet, dass keine oder kaum genetische und somit auch morphologische, anatomische oder phytochemische Abwehrstrategien bei Pflanzen (z.B. Dornen, Stacheln, Pflanzengifte u.a.) vorliegen. Oder Vögel nisteten, da zu Zeiten ihrer Evolution natürliche Fraßfeinde fehlten, zunehmend am Boden und gaben deshalb auch das Fliegen auf [Beispiel: ausgestorbene Verwandte der schwach flugfähigen Hawaii-Gans Nene (Branta sandvicensis)].
Bevor der Mensch die Inseln besiedelte, gab es auf Hawaii nur zwei Säugetiere: Mönchsrobbe (Monachus schauinslandi) und Zwerg-Fledermaus. Nach der Besiedlung (Erstbesiedlung durch Polynesier, ab 18. Jahrhundert durch Europäer) verursachten eingebrachte Ratten, Mäuse, Hausfliegen, Kakerlaken, Moskitos sowie die zur Bekämpfung eingesetzten, verwilderten Hunde, Katzen und Mungos großen Schaden!
Als Konsequenz ergaben sich umfangreiche nationale Schutzprogramme! Alle Inseln wurden bereits Anfang des 20. Jahrhunderts von Theodore Roosevelt unter Schutz gestellt und das gesamte Gebiet (Ausnahme: Midways) zum „Hawaiian Islands National Wildlife Refuge“ erklärt.
Inzwischen wurde das Gebiet um große Bereiche der umgebenden Ozeanflächen erweitert. Es existieren mehrere Nationalparks und National Monuments.
Zu den Schutzmaßnahmen gehört aber auch, dass bei der Einreise strengste Kontrollen durchgeführt werden, z.B. die Schuhsohlen von Wanderschuhen, Rucksacktaschen nach Samen oder Früchten durchsucht werden, kein Obst mitgebracht werden kann u.a.)!
Bezüglich der Orchideen kommen nur 3 Arten natürlich vor:
Anectochilus sandvicensis, Liparis hawaiensis und Platanthera hyperborea
Folgende 4 Orchideen-Arten sind verwildert und naturalisiert:
Arundina bambusifolia, Phaius tankervilleae, Spathoglottis plicata und Epidendrum
x obrienianum
Hawaii hat aufgrund seiner optimalen klimatischen Bedingungen und seiner überaus warmen und mineralstoffreichen Lavaböden hervorragende Möglichkeiten für eine Kultur exotischer Pflanzen, darunter vieler Orchideen, sogar im Freien. Das bedeutet einen erträglichen Erwerbszweig des dortigen Gartenbaus.

Aspekte der einmaligen landschaftlichen Palette der drei Inseln Hawaii (Big Island), Maui und Kauai, seine Nationalparks mit Vulkan-Schloten, Urwäldern, zerklüfteten Steilstränden sowie einer prägnanten Flora und Fauna, aber auch verwilderte und kultivierte Orchideen wurden anhand von Dias vorgestellt und erläutert.
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