Galapagos: bedrohte Paradiese, die unser Weltbild veränderten (Dia-Vortrag von HDoz.Dr.habil. Helga Dietrich am 28.01.2010)

Etwa 1000 km westlich von Südamerika (Ecuador) liegt im Ost-Pazifik auf Äquatorhöhe der „Archipiélago de Colón“, besser bekannt unter dem Namen „Islas de Galápogo“ (Galapagos-Inseln). Diese Inselgruppe besteht aus 14 größeren Inseln (Isabela, Santa Cruz, San Salvador, Fernandina, San Cristóbal, Floreana, Marchena, Española, Pinta, Santa Fe, Genovesa, Pinzón, Darwin und Wolf) und über 100 kleineren bis winzigen Inseln (= insgesamt 8. 010 km2). Fünf Inseln sind besiedelt: Santa Cruz (ca. 15.000 Einwohner), San Cristóbal (ca. 5.600), Isabela (ca. 950), Floreana (Santa Maria) (ca. 100) und Baltra (Seymour Sur), wo sich aber einzig der Hauptflughafen des Archipels befindet. Offiziell leben auf ihnen ca. 20.000 Einwohner (2008).
1959 erklärte die ecuadorianische Regierung die Galapagosinseln zum Nationalpark Galápagos. 1968 waren 97 % der Fläche unter Schutz des Nationalparks gestellt, und die Siedlungen und bisherigen landwirtschaftlichen Flächen erhielten Bestandsschutz. Seit 1978 stehen die Inseln auf der UNESCO-Liste des Weltnaturerbes. 1996 kam es zur Ausrufung des Marine-Reservats Galapagos durch das Instituto Ecuatoriano Forestal de Areas Naturales y Vida Silvestre. 1998 wurde der Schutz des Marine-Reservats Galapagos durch den Nationalpark Galapagos gesetzlich garantiert. 2001 wurde das Weltnaturerbegebiet um das Marine-Reservat erweitert. Seit 2007 wird das Naturerbe von der UNESCO als gefährdet eingestuft und auf der Internationalen Roten Liste geführt.
Ihren Namen verdankt die Inselgruppe Seefahrern, Piraten und spanischen Erobern, die sie nach der Panzerform der damals noch massenhaft vorkommenden Süßwasser-Riesen-schildkröten (als willkommene Schiffs-Nahrung dezimiert) als „galápago = Wulstsattel“ betitelten. Die Inselgruppe wurde früher aber als Islas Encantadas („Verzauberte Inseln“) auf alten Karten bezeichnet. 1892 wurden die Galapagosinseln zu Ehren von Christoph Kolumbus offiziell in Archipiélago de Colón umbenannt.
Die Entstehung des kleinen und geologisch jungen Archipels beruht auf hoher tektonischer Aktivität in der gesamten Region. Denn die ozeanische Nazca-Platte schiebt sich hierbei relativ schnell unter die südamerikanische Kontinental-Platte, mit hohem Vulkanismus als Folge. Auf der Insel Fernandina brach deren Hauptvulkan La Cumbre (1476m üNN) zuletzt im April 2009 aus.
Das Klima wird von verschiedenen Meeresströmungen bestimmt, von denen der kühle südliche Humboldtstrom den größten Einfluss ausübt und neben seinem Fischreichtum auch die tiefsten Temperaturen in Äquatornähe verursacht (durchschnittlich 20 Grad C ). Dieses nährstoffreiche Tiefenwasser wiederum ist verantwortlich für den Artenreichtum rund um den Archipel. Man kennt eine Regenzeit, die (mit einem Gipfel im April) von Januar bis Juni dauert. Das übrige Jahr fällt fast kein oder kaum Niederschlag. In den gefürchteten El-Niño-Jahren verändern sich sowohl Meeresströmungen als auch Niederschlagsmengen. Das ausbleibende Tiefenwasser dezimiert alle auf das Meer angewiesenen Arten, während die hohen Regenmengen ein überdurchschnittliches Pflanzenwachstum und einen davon sich ableitenden Tierreichtum auf dem Lande verursachen.
Aufgrund der isolierten Entstehung und Lage gab es zu keiner Zeit Landverbindungen. Die Besiedlung durch Pflanzen und Tiere konnte also nur durch zufällige Andriftungen zu Wasser und Luft oder durch Seevögel in früher Zeit geschehen. Die so gestrandeten Organismen mussten sich den unwirtlichen Bedingungen anpassen, um zu überleben, sich sozusagen „einnischen“. Aufgrund ihrer Entfernung zu anderen Landmassen zeichnet sich daher der Archipel durch eine Vielzahl endemischer Tier- und Pflanzenarten aus. Die Einführung fremder Arten durch Seefahrer und erste Siedler sowie die Jagd brachten im 19. Jahrhundert viele dieser einzigartigen Tierarten (z. B. die Galapagos-Riesenschildkröten) fast zum Aussterben!
Als im Jahre 1835 CHARLES DARWIN (1809-1882) bei seiner knapp fünfjährigen Forschungsreise mit dem englischen Vermessungsschiff Beagle vom 15. September - 20. Oktober vier Inseln aufsuchte, erkannte er vor allem an Spottdrosseln und Schildkröten, später auch an Finken diese enorme und erstaunliche Plastizität, heute von der evolutiven Wissenschaft als „Adaptive Radiation“ bezeichnet. In der Öffentlichkeit wurde er zu Lebzeiten durch seinen 1839 herausgegebenen Reisebericht bekannt. Mit seiner im Jahre 1858 erfolgten ersten öffentlichen Präsentation (zusammen mit dem jüngeren Alfred Russel WALLACE) und einer sich anschließenden Publikation (1859, „On the Origin of Species by means of Natural Selection“) erklärte er seine Theorie über die evolutive Entwicklung aller Organismen (wobei er später den Menschen noch einschloss) und ihre Aufspaltung in verschiedene Arten durch Anpassung an den Lebensraum mit Hilfe von Variation und natürlicher Selektion. Diese These stand allerdings im unüberbrückbaren Kontrast zum kirchlichen Dogma von der „einmaligen göttlichen Schöpfung“. Anfangs auf Zweifel, Ablehnung oder sogar harsche Proteste, später auf öffentliches Interesse stoßend, gilt er heute als einer der bedeutendsten Biologen und Naturforscher!
Das Jahr 2009 wurde deshalb wegen seiner beiden Jubiläen (200. Geburtstag und 150jähriges Erscheinen seines bedeutendsten Werkes) international zum Darwin-Jahr ausgerufen!
Die vier größten Inseln des Archipels San Cristobal, Floreana, Isabela als größte und Santa Cruz sowie das kleine Baltra (Abflug) wurden von der Referentin aufgesucht.
Die 558 km² große und südöstlichste Insel San Cristóbal (= Chatham) besteht aus einem erloschenen stark erodierten Vulkan, der sich im Südwesten bis auf 730 m hoch erhebt und bedingt durch reichliche Niederschläge sehr feuchtes Klima aufweist. Die flache NO-Hälfte ist dagegen sehr trocken

.Galapagos 2

Bedeutendste Siedlung ist Puerto Baquerizo Moreno (Hauptstadt der ecuadorianischen Provinz Galapagos) mit dem größten Fischereihafen der Inselgruppe. Der 1988 eröffnete Flughafen (Ankunft) und der Ausbau von Hotels (Unterkunft), Restaurants und Souvenirgeschäften trug mit dazu bei, dass die bis dahin nur von wenigen Touristen besuchte Insel zum zweitgrößten Touristenzentrum avancierte.
Die im Süden liegende Insel Floreana (= Charles, Isla Santa Maria) ist 173 km² groß und weist eine ganze Anzahl von Vulkankegeln auf, die bis zu 640 m hoch sind. Die älteste Lava schätzt man auf 1,5 Millionen Jahre, womit diese Insel generell zu den älteren des Archipels zählt und eine der wenigen, die zwei Süßwasserquellen aufweist. Unterkunft erhielten wir bei der berühmt-berüchtigten, deutschstämmigen Familie Wittmer, bekannt durch Bücher („Postlagernd Floreana“, „Die Galapagos-Affäre“), Filme und zahlreiche Dokumentationen.
Mit 4.588 km² ist Isabela (= Albemarle) die größte und auch längste Insel des Archipels. Sie wird von fünf Schildvulkanen dominiert. Im Norden befinden sich die Vulkane Wolf, mit 1.677m als höchsten, Darwin und Alcedo, im Süden die Vulkane Sierra Negra und Cerro Azul. Im Süden liegt auch das touristisch prosperierende Hafenstädtchen Puerto Villamil (Unterkunft).

Charles-Darwin-Forschungsstation

Die Insel Santa Cruz (= Indefatigable) zählt mit einer Fläche von 986 km² als zweitgrößte Insel und die Hafenstadt Puerto Ayora (Unterkunft) ist überhaupt der größte Ort des Archipels und dessen touristisches Zentrum. Hier befindet sich auch die CHARLES-DARWIN-Forschungsstation und die Nationalparkverwaltung. Als geologische Besonderheit der Insel gelten ziemlich vollständig erhaltene Lavatunnel von imposanten Ausmaßen. Sie gehören mit fast 2 km Länge und bis zu 10m Höhe zu den größten Formationen dieser Art auf der Welt!

Aus der einmaligen landschaftlichen Palette, seinen Nationalparks mit Vulkan-Kegeln und
-schluchten, den Vegetationszonen mit 704 (davon ca. 228 endemischen, also nur auf Galapagos vorkommenden) Pflanzenarten, seinen Urwäldern mit drei heimischen Orchideen, zerklüfteten Lavastränden mit dornigen Kakteen-Wäldern sowie einer einzigartigen, prägnanten Tier- (u.a. Riesen-Schildkröten, Leguane, Land- und Meeres-Echsen, Seelöwen, Pinguine, Vögel) und Pflanzenwelt (u.a. die weltweit einmaligen Scalesia = Sonnenblumen-Wälder) werden ausgewählte Beispiele anhand von Dias vorgestellt und erläutert.

Orcjideen auf GalapagosFolgende Orchideen wurden gezeigt:
• Anden Ecuadors: terrestrische Orchidee Epidendrum quitensium
• Anden Ecuadors: terrestrische Orchidee Epidendrum spicatum
• Anden Ecuadors: terrestrische Orchidee Elleanthus capitatus
• Anden Ecuadors: Stelis striolata
• Anden Ecuadors: Dracula spec.
• Galapagos: terrestrische Orchidee Habenaria monorrhiza
• Galapagos: epiphytische Orchidee Epidendrum spicatum (Knopfloch-Orchidee)
• Galapagos: epiphytische Orchidee Ionopsis utricularioides (Veilchenständel-Orchidee)

Folgende seltene Pflanzen wurden gezeigt (Auswahl):
Opuntia echios (Galapagos-Feigenkaktus) in verschiedenen Varietäten (endemisch)
Jasminocereus thouarsii (einzige Art der Gattung; nur auf Galapagos vorkommend; endemisch)
Gossypium darwinii (Galapagos-Baumwolle; endemisch)
Bursera graveolens (Balsambäume, „Palo Santo“) in Trockenzeit mit Krustenflechten (z. Lecanora,   Pyxine) und Bartflechten (Ramalina -Komplex, Roccella portentosa)
Cucumis dipsaceus (Cucurbitaceae): Liane mit Beeren-Früchten
Luffa operculata („Espoñjilla“; Cucurbitaceae; vegetabilischer Schwamm; Heilpflanze)
Scalesia microcephala (Kleinköpfige Scalesie; Asteraceae; endemisch: Beispiel für „Adaptive   Radiation“ bei der Artbildung, besonders auf Inseln)
Scalesia affinis (Ähnliche Scalesie; Asteraceae; endemisch)
Scalesia pedunculata (Daisy tree; 10-15 m hoch, sogenannte “Sonnenblumen-Wälder“; baumförmige   Asteraceae; endemisch)
Scalesia microcephala (strauchförmige Asteraceae)
Scalesia affinis(strauchförmige Asteraceae)
Miconia robinsoniana (Melastomataceae; endemisch)
Lecocarpus pinnatifidus (endemisch nur auf Floreana; = Asteraceae)
Sesuvium edmondstonei (Galapagos Carpet Weed); Aizoaceae (Mittagsblumengewächs; endemisch)
• Baumfarn (Cyathea weatherbyana, endemisch)
• Dünnblättriger Darwinstrauch (Darwiniothamnus tenuifolius): endemische Asteraceen-Gattung
• Katzenklaue (Zanthoxylum fagara) = Rutaceae
• Galapagus-Guave (Psidium galapageium; endemisch)
• epiphytische Peperomia galapagensis var. galapagensis (Piperaceae; endemisch)
• epiphytische Bromelienart Racinaea (syn. Tillandsia) insularis; endemisch)
• Farn Doryopteris pedata var. palmata
• Farn Polypodium phyllitidis
• Bärlapp Lycopodiella cernua

Tier von GalapagosFolgende Tiere wurden gezeigt:
• Blaufußtölpel (Sula nebouxii excisa)
• kleine Lavaechse (Tropidurus) als einzigen insektenfressenden Leguan mit Unterschieden in Färbung,    Zeichnung und Beschuppung auf den verschiedenen Inseln
• Mischform zwischen Sattel- und Kuppelpanzerschildkröte auf San Cristobal (Geochelone elephantopus   var. chathamensis)
• Dom-Riesenschildkröten auf Isabela (Geochelone elephantopus var. microphyes)
• Dom-Riesenschildkröten auf Santa Cruz (Geochelone elephantophus var. porteri)
• Hauptattraktion in der Charles-Darwin-Station ist der „Einsame George“ (= Lonsome George), einziger   bekannter Vertreter der Pinta-Unterart (Geochelone elephantopus var. abingdoni)
• Prachtfregattvögel (Fregata magnificens): „Piraten der Lüfte“
• Rote Klippen-Krabben (Grapsus grapsus)
• Galapagos-Albatrosse (Dio media irrorata); sehr selten beim Wassern zu beobachten!)
• Galapagos-Seelöwe (Arctocephalus galapagoensis)
• Wattvögel
• endemischer Lava- oder Galapagosreiher (Butorides sundevalli)
• Meerechsen oder Galapagos-Wasserleguane (Amblyrhynchus cristatus) DARWIN bezeichnete sie als   „Kobolde der Finsternis“
• Galapagos-Landleguane oder Drusenköpfe (Conolophus subcristatus) sind eine von zwei Arten einer   Gattung endemisch auf den Galápagos-Inseln lebender Leguane
• Galapagos-Flamingo (Phoenicopterus ruber)
• Schwarznacken-Stelzenläufer (Himantopus mexicanus)
• Ani-Kuckuck (Crotophaga ani) = “Smooth-billed ani”
• Galapagos-Pinguin (Spheniscus mendiculus), nördlichster und seltenster Vertreter der Familie   (Abstammung vermutlich vom Humboldt-Pinguin von der SW-Küste Südamerikas, aber kleiner; vom   Aussterben bedroht!)
• Grüne Seeigel (Lytechinus semituberculatus)
• Weißspitzen-Riffhaie (Triaenodon obesus)
• seltene endemische, bunte Große Heuschrecke (Schistocerca melanocera), wegen ihrer Farbigkeit „Large Painted Locust“ genannt
• stumpfe Stacheln der Bleistift-Seeigel (Eucidarist houarsii)
• balzender männlicher Prachtfregattvogel (Fregata magnificens)
• Dom-Riesenschildkröten in freier Natur

Galapagos 3

Bevor der Dia-Vortrag begann, wurde unser ältestes Vereins-Mitglied, Frau Hanna STARK, von Anfang an mit ihrem Mann (Rolf STARK †) der Jenaer Orchideengruppe angehörend, zu Ihrem heutigen 85. Geburtstag ganz herzlich gratuliert. Wir wünschten der rüstigen Jubilarin auch für die kommende Zeit Gesundheit und Vitalität, weiterhin fachliche Neugier und Abenteuerlust sowie viele attraktiv blühende Orchideen in ihren Gewächshäusern!
Auch wenn er - bedingt durch familiäre Gäste - mit seiner Frau Helga nicht anwesend sein konnte, gratulierten wir ebenso herzlich unserem langjährigen und verdienstvollen Leitungsmitglied Peter BAUER zum heutigen 65. Geburtstag und wünschten ihm telefonisch bei seinem offiziellen Eintritt ins Seniorenalter immer Gesundheit, damit er auch weiterhin viel Freude an seinen Pflanzen im Garten und in seiner Orchideen-Sammlung haben möge!
Literatur lag zum wie immer zur Information und zum Kurzstudium aus. Für alle Mitglieder, die keinen Internet-Zugang haben, wurden die letzten Berichte des Orchideen-Stammtisches als Kopien verteilt.
Auch die Grüße eines ehemaligen langjährigen Mitglieds, Herrn Bernd KOCH von der Hallenser Orchideengruppe, wurden den „Alten Hasen“ unseres Stammtisches übermittelt.
Leider konnten infolge der Wetter-Kapriolen einige weit entfernt wohnende Mitglieder nicht zum Januar-Treffen erscheinen.
Das nächste Treffen wird am 18. Februar 2010, wie immer in der „Noll“, stattfinden. Hauptbeitrag wird der Dia-Vortrag unseres Leitungsmitgliedes Thomas BOPP zum Thema „Abenteuer Sulawesi Teil 2“ sein.

Dr. Helga Dietrich

 

 

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