Am Morgen hatte es noch geregnet. Einen halben Tag lang bangten wir bei unserer diesjährigen 5. Exkursion in die heimischen Orchideen um geeignetes Wetter. Doch wie bereits in den vergangenen Jahren war uns Petrus hold. Als wir auf dem vereinbarten Skonto-Parkplatz in Rothenstein eintrafen, fing die Sonne an zu scheinen bei strahlend blauem Himmel. Wir fühlten uns irgendwie belohnt!
Um diese Nachmittagsstunde (15.30 Uhr) hatten sich 12 Mitglieder des Orchideenstammtisches Jena, 2 Gärtner des Botanischen Gartens und 4 Gäste eingefunden.
Erstmals nach langer Zeit war auch wieder Francie J. dabei, begleitet von ihrer einjährigen Tochter Lotte, die munter und aufgeweckt alles Kommende ertrug und sich besonders an Hanna's "Wauwau" erfreute. Wir bildeten wie immer Fahrgemeinschaften, um die Anzahl der PKWs und damit verbundene Parkprobleme zu minimieren.
Als Exkursionsziel wurde das Naturschutzgebiet Dohlenstein unweit der bekannten thüringischen Leuchtenburg gewählt. Die Exkursionsleitung übernahm in diesem Jahr der Naturschutzbeauftragte des Gebietes und Orchideen-Experte, Herr Hermann Voelckel, der gemeinsam mit Ehefrau öfter auch als Gast unseren Stammtisch besucht, unterstützt von Frau Dr. Helga Dietrich.
Die Leuchtenburg bei Kahla ist jedem Naturfreund, aber auch den Autofahrern auf der B 88 zwischen Jena und Rudolstadt bekannt. Nicht nur von Insidern wird sie als schönste Burg, als "Perle des Saaletales", unter den vielfach besungenen Berühmtheiten geschätzt. Sie ziert den 395 m hohen Lichtenberg (auch Leuchtenberg genannt), der gemeinsam mit dem ebenso hohen Pfaffenberg (393 m) und dem Dohlenstein (370 m) ein Bergterzett bildet, das inmitten einer Trias-Landschaft als Kalkkegel sowohl geologisch als auch optisch herausragt. Ein floristisch reiches und auch geomorphologisch einmaliges Gebiet lag vor uns. Denn in die geologische Literatur ging dieses Gebiet als Besonderheit unter "Leuchtenburg Störung" ein. Sie entstand dadurch, dass die geologisch jüngeren Schichten des Unteren Muschelkalkes (hier sowohl Unterer und Oberer Wellenkalk) in die geologisch älteren des Oberen und Mittleren Buntsandsteins einbrachen. So entstand ein Grabenbruch von ca. 1 Kilometer Breite und 13 Kilometer Länge. Durch schnellere Verwitterung und rascheres Abtragen der weicheren äußeren Buntsandsteinschichten wurde der harte Kalkmergel aber wieder herausmodelliert und liegt nun scheinbar über dem Sandstein. Dadurch bildet diese Störungslinie ein instruktives und oft zitiertes Beispiel für geologische Reliefumkehr!
Bei der Anfahrt konnten wir viele Vorzüge unserer schönen thüringischen Landschaften genießen: sanftgewellte, bewaldete Hügel, intensiv und extensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen, im Moment vom Gelb der zahlreichen Rapsfelder dominiert, oft noch von Hecken gesäumt, also mit Farbabstufungen in allen warmen Tönen. Die Saale durchzieht diese Landschaft in Form eines geschlängelten, mattglänzenden Wasserbandes. Ihre Nebenflüsse meißelten nach West und Ost reizvolle Nebentäler in das anschließende Hochplateau. Einige davon hatten wir schon auf früheren Exkursionen erkundet. Das kleine, durch seine Porzellanproduktion auch überregional bekannte Städtchen Kahla breitete sich im Tale aus.
Wir erreichten unseren Ausgangspunkt über die B 88 von diesem Ort aus über die stark gewundene Fahrstraße in Richtung Hummelshain/Stadtroda und stellten unsere PKW's am zum Teil gepflasterten Aufstieg (als Rest einer alten Fuhrstraße) ab, der zwischen Dohlenstein und Leuchtenburg verläuft. Hier trafen wir auch mit unserem heutigen Exkursionsleiter zusammen.

Für die Fotografen bot sich ein exquisiter Blick auf die Burganlage, deren Mauern und Gebäude von weißen Wolken auf tiefblauem Hintergrund "umsegelt" wurden. Die Siedlungsgeschichte reicht bis ins 11. Jh. Zumindest beherbergte der steil abfallende und dadurch eine, von der Natur vorgegebene, strategisch günstige Position einnehmende Dohlenstein mehrfach in den folgenden Jahrhunderten Siedlungen.
Seit dem 13. Jh. existiert dann die Leuchtenburg (als Luchtinberc). Sie entstand als Herrschafts und Wehrburg der Herren von Lobdeburg, die seit dem 12. Jh. ihre Stammburg in Lobeda bei Jena errichtet hatten und nun mit der neuen Anlage ihren feudalen Herrschaftsbereich ausdehnten und zunehmend sicherten. Mauern, Wehrtürme (z.B. der "Marterturm"), Verliese und Wallgraben zeugen noch von Bauweise und Flair vergangener Jahrhunderte. Zahlreiche Besucher, einige kreuzten unsere Wege, nutzen jährlich die Erholungs und Bildungswerte von Museum, Burganlage und prächtiger Natur.
Floristisch, aber auch faunistisch, ist das Gebiet um die Leuchtenburg reich an Seltenheiten, darunter mehreren Orchideenarten, die es rechtfertigten, eine ausgewiesene und sichtbar markierte Fläche am Ostteil des Dohlensteins als Naturschutzgebiet (NSG) unter Schutz zu stellen. An der Grenze des
NSG erlaubt aber ein schmaler Pfad das Erwandern der Dohlensteinkuppe mit einem reizvollen Foto Blick zurück zur nördlich gelegenen Leuchtenburg und auf die Zeugen der spektakulären Bergstürze im 18. und 19. Jh. am West und Südteil des Dohlensteins. An deren Ausmaßen nahm seinerzeit auch GOETHE regen Anteil. Er suchte sie selbst auf und ließ die Abbrüche skizzieren.

Wir entschieden ebenfalls, diese Bergstürze aufzusuchen, so nah es ging. Dabei durchwanderten wir Hecken und Mischwald mit dichtem Unterwuchs, in dem sich an Orchideen vor allem Rotbraune und Müller's Sitter (Epipactis atrorubens, E. muelleri), aber auch Bleiches Waldvöglein (Cephalanthera damasonium) und Großes Zweiblatt (Listera ovata) zeigten.
Leicht übersehen werden kann diese letzte Art infolge ihrer unscheinbaren, grünlichen Blütenstände, die sich dem allgemeinen Grünton der Umgebung angleichen, obwohl sie derzeit in Vollblüte stand. Geht man von den Standortansprüchen aus, ist das Große Zweiblatt sehr anpassungsfähig. Selbst ausgesprochen ruderale Standorte werden nicht gemieden. Charakteristisch für die Art typisch auch für die Gesamtgattung sind ein langes Rhizom und die scheinbar gegenüberstehenden, sich also weitgehend genäherten, meist zwei Blätter. Einzelexemplare können auch hier Höhen zwischen 20 und 70 cm erreichen. Alles an den zahlreichen, kleinen Einzelblüten, die in einer lockeren, ährenförmigen Infloreszenz stehen, wirkt grünlich. Davon heben sich nur die leuchtend hellgelben Pollinien ab. In der spornlosen Blüte dominiert die zungenförmige, tief zweigeteilte Lippe. Diese Art blüht von Mai bis August. Zu den zahlreichen Bestäubern gehören in erster Linie kleine Fliegen, Käfer und Schlupf-wespen.
Aber auch der ziemlich seltene, ebenfalls geschützte Kreuz-Enzian (Gentianella cruciata), allerdings noch nicht blühend, erfreute uns. Hier muss man bis zum Hochsommer warten, um seine attraktiven, tiefblauen Blüten bewundern zu können. Als wir eine neu geschaffene Aussichtsfläche erreichten, auf der sogar ein Tisch mit Bänken zum Verweilen einlud, erblickten wir auch zahlreiche, in voller Blüte stehende, unterschiedlich hochwüchsige Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera). Ihre dunklen, purpur-schwärzlichen, Fliegen ähnelnden Blüten sind äußerst variabel und nicht selten von leuchtend blau grauen Lippen Mustern geschmückt. Man kann diese Orchidee in günstigen Jahren von Ende April bis weit in den Juli hinein beobachten.
Die verwandte Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) war ebenfalls reichlich vertreten, zeigte aber noch nicht einmal Knospen. Leider waren einige Exemplare von unaufmerksamen Wanderern niedergetreten! Bei beiden Arten wird durch Form, Farbe, Muster, Behaarung etc., vor allem der Lippe, ein weibliches Insekt vorgetäuscht, so dass die männlichen Bestäuber zur Kontaktaufnahme mit den Blüten, oftmals sogar zu Begattungsbewegungen angeregt werden. Dabei wird vielfach das mit einer besonderen Klebscheibe versehene Staubblatt auf den Insektenkörper angeheftet und so zur nächsten Blüte weitergetragen. Der Fruchtansatz der Ophrys Arten hängt demnach (mit Ausnahme der vorwiegend selbstbestäubenden Bienen Ragwurz) unmittelbar mit einem erfolgreichen Insektenbesuch zusammen.
Schon beim ersten Anstieg nach dem Parkplatz hatten wir uns über ein "in den letzten Zügen liegendes", blühendes Exemplar der dritten Art im Gebiet, der Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) gefreut.
Obwohl sie erst seit den 90iger Jahren im NSG vorkommt, ist sie derzeit nicht mehr selten, wie ca. 180 gezählte Pflanzen in diesem Jahre beweisen! Aber auch im benachbarten Jenaer Raum sowie in anderen Regionen Thüringens zeigt diese Orchidee Ausbreitungstendenzen.
Besonders reich sind die an den unbewaldeten Hanglagen auftretenden Halbtrockenrasen mit den Süßgräsern Aufrechter Trespe (Bromus erectus), Blaugras (Sesle¬ria varia), Wimper Perlgras (Melica ciliata), Fieder Zwenke (Brachypodium pinnatum), Großem Schillergras (Koeleria pyramidata), Zittergras (Briza media) oder den Sauergräsern Zwerg- (Carex humilis), Blauer (Carex flacca) sowie Vogelfuß Segge (Carex ornithopoda). Zahlreich ist auch Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), die aber noch nicht blühte, Schwalbenwurz (Cynan¬chum vincetoxicum), Frühblühender Thymian (Thymus praecox), Zypressen- Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Kriechende Hauhechel (Ononis repens), Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), Wundklee (Anthyllis vulneraria) und die beiden Schopf- und Bitteres Bitterblümchen (Polygala comosa, Polygala amara) vertreten. Auch die wunderhübsche, mit pinkrosa Blüten ausgestattete Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) zeigte erste Blüten. Der Trockenrasen-Aspekt wurde aber vornehmlich vom blau blühenden Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), von dem wir sogar ein seltenes, schneeweißes Exemplar sichteten, vom Rosa der Esparsetten (Onobrychis viciifolia) und vom Weiß des Nickenden Leimkrautes (Silene nutans) bestimmt. Frühlings-Schönheiten stellten Gemeine Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris), zur Zeit aber bereits im fruchtenden Zustand (Sammelbalgfrüchte), und die großköpfige, weißblühende Wald Anemone (Anemone sylvestris) dar.
Dichte Hecken, zahlreichen Vögeln, Insekten und Kleinsäugern einen idealen Lebensraum bietend, umsäumten diese Halbtrockenrasen. Sie wurden vorrangig von den beiden Weißdorn Arten (Crataegus monogyna, C. oxyacantha), Schlehen (Prunus spinosa), Wildrosen (Rosa canina), Feldahorn (Acer campestre), Wolligem Schneeball (Viburnum lantana), Blutrotem Hartriegel (Cornus sanguinea), der im Herbst die Hänge orangerot leuchten lässt, Elsbeere (Sorbus torminalis), Haselnuss (Corylus avellana) oder dem Gewöhnlichen Wacholder (Juniperus communis) gebildet. Wir wählten den genannten schmalen Pfad an der Grenze des Schutzgebietes, durch Schilder leicht erkenntlich, zum Aufstieg. 
Zu den Kleinoden des Gebietes zählen einige seltene Orchideen unserer Heimat. Die Bocksriemenzunge (Himantoglossum hircinum) besiedelte als Vertreter des mediterranen (Mittelmeer ) Florenelements nur wenige Fundorte im Saaletal. In den letzten Jahren kamen allerdings erfreulicherweise mehrere neue Fundorte in Thüringen als nördlichste des Gesamtareals überhaupt hinzu. Charakteristische Standorte stellen südlich exponierte, sehr sonnige und demzufolge warme Trockenrasen über Kalk dar. Ein stärker aufkommendes Gebüsch führt zum langsamen, aber unweigerlichen Verschwinden der Pflanzen. Entbuschung muss deshalb als konkrete Schutzmaßnahme in Abständen erfolgen. Hier ist der Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO), besonders die Regionalsektion Jena-Saale-Holzland-Kreis unter dem Vorsitz von Hermann Voelckel, sehr aktiv. Die Vegetationsperiode dieser südlichen Orchidee wird bereits im Herbst eingeleitet, indem sich aus einer Knolle der neue Spross entwickelt. Kahlfröste verursachen allerdings nicht selten braune Blattspitzen an den überdauernden Winterblättern. Die Einzelexemplare können bis zu einem dreiviertel Meter hoch werden. Die dicht und reichblütige Infloreszenz riecht aufdringlich, um nicht zu sagen stinkend nach Ziegenbock, wodurch die volkstümlichen Namen beeinflusst wurden. Die mutigen Mitglieder unserer Truppe wendeten meist angewidert ihre Nasen von den bereits voll erblühten und dadurch ihrem Namen alle Ehre machenden Exemplaren ab!
Da die Gattung Himantoglossum mit den Knabenkräutern (Orchis, Neotinea, Anacamptis, Dactylorhiza) näher verwandt ist, findet man sowohl im Habitus als auch im Blütenbau Übereinstimmungen. Charakteristisch und einzigartig ist bei dieser Gattung allerdings das bizarre Labellum, bei dem der mittlere der drei Lappen etwa 5 6 cm lang ausgezogen und zudem gedreht ist. In der Blütenfarbe herrscht ein schmutziges Gelblichgrün vor. Der Helm aus den restlichen fünf Blütenblättern gebildet ist außen oft violett gestreift. An der Lippenbasis setzt ein kurzer, ca. 2 4 mm großer, sackförmiger Sporn an. Im Gegensatz zu vergangenen Jahren hatte aber die Blütezeit erst begonnen, zwei Wochen später als normal. Der größte Teil der zahlreich vertretenen Exemplare zeigte sich nur im knospigen Zustand oder es waren nur die untersten Blüten geöffnet.
Wie aber wird es weitergehen, wenn viele der heute noch aktiven ehrenamtlichen Helfer überaltert sein werden und dringend notweniger Nachwuchs fehlt? An manchen Stellen erahnte man schon am schnellen und dichten Erlen-Aufwuchs die entstehenden Probleme.

Aus dem gerade genannten Verwandtschaftskreis der Knabenkräuter treten drei große Raritäten im Gebiet auf: Kleines oder Salep-Knabenkraut (Anacamptis morio, früher Orchis morio), Brand Knaben-kraut (Neotinea ustulata, früher Orchis ustulata) und Dreizähniges Knabenkraut (Neotinea tridentata, früher Orchis tridentata). Während wir die erstere, für Thüringen überaus seltene Art nicht aufsuchten, konnten die beiden anderen blühend gesichtet werden, für die meisten Exkursionsteilnehmer zum ersten Mal im Leben!
Das Dreizähnige Knabenkraut besitzt seinen Verbreitungsschwerpunkt im östlichen Mittelmeergebiet bis in die Kaukasusregion. Alle mitteleuropäischen Vorkommen liegen am Rande des Areals, sind kleinräumig und demzufolge besonders stark gefährdet. Die etwa 15 bis 40 cm hoch werdende Orchidee, ebenfalls mit einer Winterblattrosette ausgestattet, entwickelt einen halbkugelförmig wirkenden Blütenstand von bis zu 10 cm Länge mit zahlreichen Einzelblüten. Bei diesen bilden die Kelchblätter und zwei Kronblätter ebenfalls einen hier allerdings rosa gefärbten Helm, dessen Zipfel spitz auslaufen. In der dreiteiligen Lippe treten die Seitenlappen zugunsten des mit einem Fortsatz versehenen, violettrosa auf weißem Grunde gepunkteten Mittellappens zurück. Der blassrosa Sporn fällt im Blütenstand kaum auf; er ist nach innen und abwärts gerichtet.
Das Brand Knabenkraut ist bei uns ebenfalls selten. Diese Sippe nimmt ein weites Gesamtareal ein, das neben dem nördlichen Mittelmeergebiet, von der Iberischen Halbinsel an Mitteleuropa, den Balkan und nordwestliche Teile Russlands sowie Georgien und die Kaukasusregion der Türkei einschließt. Bei dieser etwa 10 bis 30 cm hohen Orchidee wird von Mai bis Anfang Juli (je nach Höhenlage ihrer Standorte) eine dichtblütige Infloreszenz entwickelt, die langsam von der Basis zur Spitze hin erblüht. Von der Eigenschaft, dass die noch geschlossenen Knospen im Spitzenbereich des Blütenstandes brandig schwarzbraun getönt sind, leiten sich die bekanntesten volkstümlichen Namen ab. Die Einzelblüten sind klein, nicht größer als 5 bis10 mm lang und etwa 5 bis 6 mm breit. Wenn sie voll erblüht sind, ist der Helm etwa rostig purpurn gefärbt, die schwarz braune Knospenfarbe deutlich aufgehellt. Im Kontrast dazu leuchtet die tief eingeschnittene, dreiteilige, weiße, mit violetten Flecken übersäte Lippe geradezu. Albinos, wie sie im weiten Verbreitungsgebiet auftreten, wurden hier im Gebiete noch nicht beobachtet. Dafür konnte aber ein Exemplar des Bastardes zwischen beiden Arten, Neotinea xdietrichiana (ehemals Orchis xdietrichiana) bewundert und fotografiert werden.
Die beiden letztgenannten Knabenkräuter besiedeln bei uns vorrangig Trespen Halbtrockenrasen und reagieren stark rückläufig wie auch internationale Beobachtungen ausweisen auf Düngung und Rinderbeweidung. Auf die Problematik von Vor- und Nachteilen landwirtschaftlicher Nutzung, einschließlich Weide durch Schafe, Ziegen und Rinder, und den Umstand, dass die meisten Orchideen doch in irgendeiner Weise Kulturbegleiter sind, wurde vom Exkursionsleiter mehrfach hingewiesen.
Als weitere Orchidee unseres diesjährigen Wandergebietes erwies sich die Große Händelwurz (Gymnadenia conopsea), ebenfalls nur in Knospe. Erst später, vom Früh bis Spätsommer, bildet sie mit zahlreichen Exemplaren einen herrlichen Schmuck dieser Kalkkarsthänge. So kamen wir am heutigen Tage insgesamt auf 14 verschiedene Orchideen, allerdings nicht alle blühend.
Als wir kurz vor Ende unserer Exkursion zur Fahrstraße abstiegen, konnten erfreulicherweise auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite, außerhalb des eigentlichen Schutzgebietes, in sattgrüner Wiese ebenfalls zahlreiche Bocksriemenzungen gesichtet werden! Sie unterstrichen den Umstand, dass diese wärmeliebende Art, vermutlich durch die allgemeine Klimaerwärmung, gesicherte Ausbreitungstendenzen zeigt.
Bevor alle wieder ihre Fahrzeuge bestiegen und in unterschiedliche Richtungen davon schwirrten, wurde ganz herzlich unserem Exkursionsleiter, den wir schon als ehrenamtliches Mitglied unseres "Orchideenstammtisches" betrachten, für seine überaus sachkundigen Ausführungen und die gut gewählte Route gedankt. Doch auch eine spätere Suche nach eventuellen Zecken, wir befanden uns ja in einem Hochrisikogebiet, musste angemahnt werden. Vermutlich wird mancher "Ausrutscher" auf den teilweise steilen Hängen des heutigen Nachmittags bereits am Abend, bei einer eventuellen Rückschau auf die reiche floristische Ausbeute, vergessen sein!
Wir verabschiedeten uns in der Hoffnung auf ein gesundes Wiedersehen aller Teilnehmer zum diesjährigen Sommerfest am 31. Juli 2010 in Jena-Zwätzen.
Text: Dr. Helga Dietrich
Fotos: Hans-Joachim Pischeli
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