Besuch der Internationalen Orchideenausstellung anlässlich des Europäischen Orchideen Kongresses in Dresden

vom 24.-27. 09. 2009

Langfristig hatte der Jenaer Orchideenstammtisch als September-Veranstaltung 2009 den Besuch der großen Internationalen Orchideenausstellung anlässlich des 15. Europäischen Orchideen Kongresses vom 24. bis 27. September 2009 in Dresden geplant. Letztendlich entschlossen sich aber nur 8 Mitglieder zu einer Teilnahme, so dass wir entgegen unseren Gepflogenheiten keinen Bus charterten, sondern am Donnerstag, dem Eröffnungstag, individuell anreisten.
Ergänzt wurden Tagung und Ausstellung durch die Begleitmesse „room + style“, einem neuen Format für Wohnideen und Lebenskultur, die durch Exklusivität, Stil und Ästhetik überzeugen wollte und ein vielfältiges sowie hochklassiges Sortiments-Angebot für ein anspruchsvolles, aber auch kaufkräftiges (ob vorhanden ?) Publikum anbot.
Diese internationale Orchideenausstellung fand in gewohnter Umgebung in der Messe Dresden (Ostragehege, Messering 6) in den großen Hallen 1 und 2 statt. An ihr beteiligten sich Gärtnereien, Orchideen-Vereinigungen sowie Einzelpersonen aus 18 Ländern (Deutschland, Belgien, Niederlande, Frankreich, Dänemark, Schweiz, Österreich, Italien, Ungarn, Brasilien, Ecuador, Venezuela, Chile, Peru, Kolumbien, USA, China: Taiwan, Malaysia) von 4 Kontinenten; geplant waren laut Voranmeldung allerdings 25. Den Hauptanteil der deutschen Beteiligten stellten Regionalgruppen der DOG, deren Mitglieder und bisheriger Vorstand auch den Kongress organisierten. Als die Ausstellungsräume am Donnerstag um 10 Uhr geöffnet wurden, strömten bereits die ersten wartenden Besucher in die Hallen, in denen auf 10 000 qm Fläche Orchideen wie andere attraktive Pflanzen aus vielen tropisch-subtropischen Regionen arrangiert und demonstriert wurden, aber auch käuflich zu erwerben waren.
Wir Jenenser Teilnehmer waren im Vorfeld sehr gespannt, inwiefern sich eine herbstliche Orchideenausstellung von denen der ansonsten üblichen Frühjahrs-Termine unterschieden würde. Erstaunt waren wir allerdings bei unserer Anfahrt durch Dresden über die spärliche bis fehlende Werbung für Kongress und Ausstellung.
Der erste Eindruck beim Betreten der Halle war etwas ernüchternd. Denn entgegen den gewohnt üppig ausfallenden Saal- und Stands-Dekorationen von der „Dresdner Ostern“ wirkte die große Halle verhältnismäßig kahl und weiträumig, fast etwas leer, die Wände schmucklos. Ebenso lies das gastronomische Angebot für die Ausstellungsbesucher zu wünschen übrig. Das Gedränge der Zuschauermassen blieb aus, dafür mangelte es allerdings nicht am Fachpublikum. So konnte man ausgiebig, in Ruhe sowie von allen Seiten Exponate und Gestaltungskunst studieren. Auch wurde man beim Fotografieren nicht - wie gewohnt - bedrängt. Es bot sich sogar Gelegenheit, nach kurzem Warten die Stände ohne andere Besucher abzulichten. Doch dieser erste, etwas störende Eindruck verflüchtigte sich bald, wenn man sich den meisten Ausstellungsständen näherte. Besonders Liebhaber botanischer Arten und Mini-Orchideen kamen hierbei auf ihre Kosten. Eine solche Fülle an blühenden Naturformen, vor allem selten gezeigten, war begeisternd! Allerdings musste man für das Bewundern vieler Objekt oft ganz nahe an die Stände herantreten, in einem Fall sogar eine aufgestellte Lupe benutzen, um die dahinter postierte winzige neotropische Orchidee mit ihren zwei Millimeter kleinen, cremefarbenen Blüten bewundern zu können.
Auf der Heimfahrt bei der ersten Analyse wurden wir uns (Kühn, Stark, Dietrich), obwohl in den Hallen aufgrund unterschiedlicher Prioritäten getrennt unterwegs, schnell einig über die besten Aussteller, nämlich Hans Christiansen aus Fredensborg (Dänemark), Orchideengarten Karge aus Dahlenburg, Wössner Orchideen Franz Glanz aus Unterwösen, Ludwig Orchideenzucht aus Aerzen und Pazuzu Extreme Flora Günzburg mit ihrem überaus gelungenen Sarracenia (und andere Insektivoren) Stand (letztere Aussteller alle aus Deutschland).
Gleich am Eingang blieb fast jeder Besucher vor einem riesigen und üppig blühenden Grammatophyllum scriptum var. citrinum von Malaysia mit seinen lang überhängenden, gelben Blütenrispen stehen. Kameras klickten und Blitzlicht um Blitzlicht erhellte das prämierte Exponat. An einem anderen Stand konnte man eine weitere Art der gleichen Gattung, G. measuresianum von den Philippinen, bewundern, dessen Blütentraube bis zu 60 große, gelb-braun gefleckte Einzelblüten enthalten kann. Erwähnenswert auch ein Riesenexemplar von Angraecum comorense (syn. A. eburneum ssp. superbum) von den Seychellen, Komoren und Madagaskar mit drei voll erblühten und einem knospigen Blütenstand oder ein ebenso mastiges Dendrochilum latifolium von den Philippinen mit seinen ungewöhnlich breiten Blättern (siehe Artbeiwort !) und vielen lang überhängenden Ähren, aus zahlreichen filigranen Einzelblüten gebildet. Auffällig waren auch viele überaus seltene Bulbophyllum-Arten wie B. carunculatum, B. frostii, B. digoelense, B. plumatum, B. antenniferum, B. coccineum, B. brymerianum oder B. guttulatum. Zweimal hinschauen musste man bei Bulbophyllum phalaenopsis, deren über einen halben Meter langen Blätter wie bei Phalaenopsis (daher Ableitung des Art-Beiwortes) wirkten. Erst danach erblickte man die gedrängt stehenden, eigentlich großen, behaarten, rotvioletten, typischen Bulbophyllum-Blüten mit Schaukellippe an der Blattbasis. Diese Art stammt aus Neuguinea und besitzt die längsten Blätter der Gesamtgattung. Einige der gerade erwähnten Sippen konnte man am originell gestalteten Stand des Dänen Hans Christiansen bewundern, die teilweise mit Bronze-, Silber- und Goldmedaillen prämiert wurden, unverständlicherweise aber nicht als Stand insgesamt.
Aus - sicherlich sehr individuell empfundener - Sicht sind weiterhin folgende Arten erwähnenswert: Coelia macrostachya, Calanthe sylvatica, Cattleya araguensis, Cynorkis multiflora, Dracula sodiroi, Cycnoches parviflora, Omoea philippinensis, Eulophia euglossa, Liparis nutans, Dendrobium oligophyllum, D. limpidum und D. cuthbertsonii, Neobenthamia gracilis, Gastrorchis francoi oder die winzigen Aerangis luteo-alba und Trichoceros muralis. Sicher von vielen Besuchern übersehen wurde und mehrfach hinschauen musste man auch bei Pleurothallis cypripedioides, erst im Jahre 1975 aus Ecuador beschrieben, mit seinen zwei Blüten von jeweils einem Zentimeter. Bei dieser Art sind alle Kronblätter auf der Innenseite dicht weißlich behaart und die Lippe ist erstaunlicherweise wie bei einem winzigen Frauenschuh geformt.
Ungewöhnlich, aber sehr phantasievoll und wirksam arrangiert im Zusammenspiel mit Spiegeln erwiesen sich die floralen Kompositionen von Yen-Lin Hung aus Taiwan.
An den Verkaufstischen dominierten dagegen die allseits bekannten Phalaenopsis-, Cattleya- und Paphiopedilum-Hybriden in breiter Farbpalette. Doch wer Zeit hatte und aufmerksam von Stand zu Stand ging, konnte, zumindest am ersten Tag, noch manche Rarität ergattern. Das galt auch für zahlreiche Tillandsia-Arten, die sowohl an den Ausstellungsständen eine große Nebenrolle spielten als auch im Verkauf angeboten wurden. Die Händler hatten, sicher zu ihrer Freude, insgesamt viel zu tun; auch zahlreiche Anfragen mussten geduldig beantwortet werden.
Es lohnte sich, vor allem für Liebhaber von Orchideen-Literatur, den Stand von Uli Paterny aus Bad Homburg aufzusuchen, der begeistert und mitreißend seine Schätze an kostbaren (sowie teuren) Originalen alter Bücher, Drucke und handkolorierter Stiche vor dem bibliophilen Verständigen ausbreitete. Neue Orchideen-Literatur konnte man dagegen am DOG-Verkaufsstand erwerben.
Französische Aussteller boten ergänzend passenden Schmuck und Parfüm-Flakons mit eingelegten Orchideenblüten an. Die venezuelanische Malerin Mercedes Madriz verkaufte ihre ausgestellten Originalbilder in Groß- und Kleinformat. Doch auch umfangreiches Kultur-Zubehör in aller Breite von Substraten, Dünger und Insektiziden bis zu geeigneten Gefäßen und anderen gärtnerischen Utensilien wurde angepriesen. Umlagert war in Halle 1 der Stand eines Lausitzer Orchideenfreundes, der, wie von ihm besonders betont, kein eigenes Gewächshaus besitzt! Er demonstrierte dem meist staunenden Publikum, wie man Miniaturorchideen erfolgreich in einem kleinen, standardisierten und im Handel erhältlichen, preiswerten Tomaten-Folienzelt (ca. 20 Euro) kultivieren kann.
Am Freitag, den 25. September, fand in den beiden Hallen der Orchideenausstellung ein besonderer „Abend der Inspiration“ für EOC-Teilnehmer, Dresdner und deren Gäste statt, bei dem man sich, umgeben vom farbigen und formenreichen Flair der ausgestellten Orchideen, mit Musik und Gastronomie verwöhnen lassen konnte.
Eine offizielle Teilnehmerzahl am EOC-Kongresss und eine Gesamtbesucherzahl der Orchideenausstellung ließ sich leider bis zum heutigen Zeitpunkt nicht ermitteln.
Informiert wurde übrigens darüber, dass der nächste EOC-Kongress zeitlich und räumlich etwas weiter entfernt, nämlich im Jahre 2012 in Budapest stattfinden wird.
Parallel zum EOC-Kongress fand am Samstag, den 26. September, eine Mitgliederversammlung der Deutschen Orchideen-Gesellschaft e.V. (DOG) statt mit Wahl eines neuen Vorstandes, die sehr turbulent verlief und auch der Abstimmungsmodus geändert werden musste. Gewählt wurden von den sechs zur Wahl angetretenen Kandidaten die Drei mit den höchsten Stimmenanteilen: Irene Bock, Fritz Wirsal und Bernd Treder, wobei Letzterer in offener Abstimmung (ohne Gegenkandidaten) zum neuen Präsidenten gewählt wurde.
Herzlichen Glückwunsch den neu Gewählten, verbunden mit der Hoffnung vieler Mitglieder und Sympathisanten auf ein tatkräftiges, transparentes und geschicktes „Reformieren und Agieren“ nach schwierigen Zeiten!

Ein großes Dankeschön an dieser Stelle nochmals an Horst K. für seine Bereitschaft, uns nach Dresden und zurück in seinem PKW mitzunehmen.

Dr. Helga Dietrich

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Orchideenstammtisch Jena