Vom 26. bis 29. März 2009, wie immer traditionell zwei Wochen vor Ostern, fand auf dem Messegelände Dresden die nunmehr „16. Dresdner Ostern“ statt. In den vergangenen Jahren entwickelte sich diese Messe auf ca. 20 000 Quadratmetern in vier Messehallen zu einem Publikumsmagneten und gilt inzwischen als größte und besucherstärkste Messe der sächsischen Landeshauptstadt. In diesem Jahr waren rund 380 Aussteller gemeldet, die nicht nur ihre Sortimente passend zum Fest präsentierten, sondern auch traditionelle Handwerks-kunst (vor allem beim Gestalten der Ostereier) und manche Dienstleistung vermittelten. Gleichzeitig warben Stände aus den Bereichen Garten (Pflanzen, Zwiebeln, Sämereien; Gartengeräte und -technik; Naturprodukte, darunter viele Gewürze und Naturheilmittel), Heimtier (Rasseschauen, Hunde-, Katzen-, exotische Vögel- und Koi-Präsentationen; Bauernhoftiere; Tiernahrung und -bedarf), Hobby (kreatives Gestalten und Basteln; Holz- und Schnitzkunst; Sport und Fitness; Spielzeug und Kinderspiele) sowie Freizeit für ihre Produkte oder Haustiere. Allerdings konnte man über die Darbietung durch einige Hunde- und Katzenhalter doch sehr geteilter Meinung sein!
Da außerdem gleichzeitig die „12. Internationale Orchideenwelt“, von der Deutschen Orchideengesellschaft (DOG) organisiert, in Halle 1 mit über 5000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gezeigt wurde, war ein solcher Kurztrip ein Muss für viele Orchideenfreunde von nah und fern.

Wie im Jahre 2007 beschlossen deshalb die Mitglieder des Jenaer Orchideenstammtisches am Donnerstag, dem Eröffnungstag, einen Bus zu mieten und in das leider noch wenig frühlingshafte und regnerische Dresden zu reisen. In bewährter und dankenswerter Weise nahm Dr. Horst Lang (Ziegenrück) - wie bei früheren Reisen - die Verbindungen zum Thüringer Reisebüro Schumann auf und organisierte alles. Um kostengünstig zu planen, wurde außer den 17 reisewilligen Mitgliedern des Stammtisches wiederum unter befreundeten Orchideen- und Blumenliebhabern auch anderer Städte geworben, so dass der Bus mit 42 Personen ausgelastet war. Nach reichlich zweistündiger Fahrt entlies uns pünktlich zur Eröffnung um 10 Uhr vormittags der Bus vorm Haupttor des zentrumsnahen Messegeländes. Sechs Stunden Zeit blieben uns bis zur Abfahrt, die alle individuell oder in kleinen Grüppchen nutzten.
Die Freude auf die nun schon bekannte österliche Exposition war groß und die Erwartungen deshalb hoch. Natürlich stand für die meisten Orchideen-Freeks der Kauf neuer Orchideen an erster Stelle, ein Vorhaben, das bei der Heimfahrt die vielen vollgepackten Tüten und Taschen verrieten. Doch wie vormals nutzten einige nicht nur die Gelegenheit zum Schauen, Informieren und Kaufen bei den Orchideenständen und -händlern, sondern auch um manch österliches oder sonstiges Exponat des Kunsthandwerks (viel Traditionelles aus dem Erzgebirge; Ostereiergestaltung aus Deutschland, Tschechien, Slowakei und Ukraine; besonders sorbisches Brauchtum; Glas, Keramik und Porzellan; Gewebtes, Genähtes und Gestricktes; Korbwaren bis zum Modeschmuck) als passendes Geschenk zum Osterfest zu erwerben.
Für die Orchideenwelt der „Ostern 2009“ hatten sich 45 Aussteller aus 8 Ländern (2007 noch 70 Aussteller aus 18 Ländern) von 4 Kontinenten (Europa, Asien, Amerika, Australien) angesagt. Dabei wurden offiziell geschätzte 20 000 Exemplare (2007 ca. 30 000) mit über
100 000 Blüten gezeigt.

Schon aufgrund einer solchen Aussteller-Breite hat sich die „Internationale Orchideen-Welt“, wie die Schau offiziell heißt, zu einer Top-Adresse entwickelt, auch wenn man beim Aussteller-Schwund und dem mitunter zögerlichen Kauf oder Feilschen die derzeitige finanzielle Situation und Besorgnis der Branche sowie vieler Besucher bemerkte.
Die inzwischen traditionelle Taufe einer neuen Orchideen-Sorte wurde in diesem Jahr auf den Freitag Abend verlegt, so dass wir leider nicht in den Genuss dieser Zeremonie kamen. Als Thüringer hätten wir gern die in diesem Jahr auserwählte Taufpatin, die beliebte Weimaraner Sängerin und begeisterte Hobbygärtnerin Ute Freudenberg erlebt. Teilhaben konnten wir verständlicherweise auch nicht an einer weiteren, allerdings exklusiven und sicher nicht Jeden ansprechenden Neuerung der Ausstellung, den für Freitag Abend angesetzten Tangoball bei der „Nacht der Orchideen“.
Da es nur für den Eröffnungstag ermäßigten Eintritt für Senioren gibt, waren die Hallen am Besuchstag verständlicherweise mit „älteren Semestern“ überpräsentiert. Alle Orchideen-stände, jeder Gang und Sitzplatz war dicht umlagert. Die Presse titulierte nach Messeschluss diesen Zustand sehr passend als „ein Meer aus Blumen und Menschen“! Natürlich wurden von unserer Gruppe auch Bekannte aufgesucht oder getroffen. Man fragte und fachsimpelte wie immer auf solchen Ausstellungen, überlegte hin und her, verwarf und kaufte schließlich doch. Das Angebot war einfach zu verlockend! An zwei Ständen wurde ergänzend zum gärtnerischen Part etwas fürs theoretische Wissen getan, indem Orchideen-Fachbücher präsentiert wurden bzw. man einige auch am DOG-Stand käuflich erwerben konnte. Verabredungen gab es wie bereits zwei Jahre vorher am Gemeinschaftsstand der Dresdner/Großenhainer Orchideengruppe, wo ein ehemaliges, langjähriges Mitglied herzlich begrüßt werden konnte.
Als Besuchermagnet erwies sich in diesem Jahr die Demonstration floristischer Gebinde und dekorativer Orchideen-Gestecke auf der Bühne von Halle 1 durch den deutschen Fachverband für Floristik (FDF), der sich erstmals an der „Dresdner Ostern“ beteiligte und nach Abschluss eine überaus positive Bilanz zog. Die von mehreren jungen Floristen beim Schaubinden sehr individuell und variabel gebundenen Sträuße für alle Vasen-Größen wurden später unter großer Beteiligung des von dieser Idee begeisterten Publikums versteigert. Als Nebeneffekt konnte man beim Zuschauen, Mitfiebern oder sogar Mitsteigern seinen Körper, vor allem die müden Füße, einmal ausruhen lassen. Ein sehr dekoratives Foto-Motiv stellte der in Nähe befindliche zentrale Springbrunnen dar, der mit seinen plätschernden Wasserspielen und einer hohen Fontäne für ein permanentes, sehr entspannendes Begleitgeräusch sorgte und dessen sparsam eingesetzten Lichtspiele die dezente Wirkung unterstrichen.
Die Palette der angebotenen Orchideen und exotischen Beipflanzen war wieder hoch. Allerdings überwogen - wie auch auf anderen Ausstellungen - an fast allen Ständen Phalaenopsis und ihre inzwischen so überaus verbreiteten, weil quasi unverwüstlichen Fensterbank-Hybriden! Dafür konnte man kaum noch, anders als früher, Cymbidien sowie Oncidien bewundern. Wie bereits vor zwei Jahren beeindruckten mehrere in voller Blüte stehende, stattliche Angraecum sesquipedale sowie viele farbintensive Paphiopedilum-, Phragmipedium-, Selenipedium-, Cattleya-, Miltonia-, Brassia-, Oncidium-, Psychopsis-, Odontoglossum- und Vanda-Arten sowie deren Hybriden. Doch auch vielblütige Epidendrum-, Dendrobium-, Lycaste-, Calanthe-Arten und Sorten sowie zahlreiche Klein- und Miniatur-Orchideen (z.B. aus den Gattungen Polystachya, Pleurothallis, Oncidium, Sophronitis, Chysis, Cochleanthes, Restrepia, Aerangis, Masdevallia und Verwandte) fanden ihre aufmerksamen Bewunderer. Schwächer vertreten waren dagegen winterharte Erdorchideen, von denen hauptsächlich Pleione und Cypripedium gezeigt wurden.
Während die ausschließlichen Verkaufsstände unter der farbigen Fülle ihrer Angebote fast „ertranken“ und manche Rarität sicher dabei selbst dem aufmerksamsten Auge entging, waren die „reinen“ Ausstellungsflächen wiederum sehr individuell und phantasievoll arrangiert. Sparsame bis üppige Darbietungen, kombiniert mit Kieselsteinen, kleinen Felsbrocken, dekorativen Hölzern, Lianen, Bambus, Flechtwerk, Sackleinen, Tuch, Glas oder Keramik, kontrastierten zu Kaskaden von Orchideenblüten, die von Epiphytenstämmen oder -ästen herunterhingen. Immer wieder erblickte man etwas Neues, wenn man durch Zufall auf den gleichen Stand, aber von einer anderen Perspektive aus, stieß.
Zwischendurch konnte man sich bei einsetzendem Hunger- und/oder Durstgefühl an zahlreichen Ständen, Bistros und Restaurants im Inneren der Hallen oder im - leider etwas feuchten - Innenhof meist relativ preisgünstig kulinarisch verwöhnen lassen.
Doch immer wieder zog es Besucher wie Mitglieder unserer Gruppe auch zurück nach Halle 1! Bereits am Donnerstag Abend konnten der Presse beachtliche 10 000 Besucher gemeldet, zum Abschluss der „Dresdner Ostern 2009“ am Sonntag Abend dann rund 53 000 Besucher registriert werden. Dies bedeutet bei der aktuellen Wirtschaftskrise und Konjunkturflaute einen nur mäßigen Zahlenrückgang gegenüber den Vorjahren im Gegensatz zu anderen bekannten Großmessen der letzten Zeit. Damit dürften sich die Erwartungen der Messeveranstalter und -aussteller hinsichtlich Besucherzahlen und -resonanz sowie Umsatz erfüllt haben und sie ein positives Resümee ziehen können!
Fuß- und kreuzlahm, aber mit glücklichen und zufriedenen Gesichtern über den erlebten ästhetischen Genuss, mancher schwer bepackt mit seinen erworbenen Schätzen, fanden sich alle wieder pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt vorm Haupttor ein. Gegenüber unserer katastrophalen Heimfahrt vor zwei Jahren über die A 4 regnete und hagelte es zwar auch, aber es gab keinerlei größere Schnee-Unbilden und Staus. Dem wiederum sehr umsichtig fahrenden, freundlichen Fahrer wurde, genauso dem Organisator, zum Abschluss mit Beifall gedankt. Ein erlebnisreicher Tagesausflug fand so ein harmonisches Ende!
Der Termin der nächsten „Dresdner Ostern“ als Verkaufs- und Erlebnismesse steht bereits für den 18.-21. März 2010 fest.
Eine Teilnahme bzw. ein Besuch des 15. Europäischen Orchideenkongress vom 24. bis 27. September 2009 an gleicher Stelle mit einer vermutlich noch größeren Orchideen-Schau ist zumindest von mehreren Mitgliedern des Orchideenstammtisches eingeplant!
Dr. Helga Dietrich
| zurück zum Archiv |