Besuch der 18. Weltorchideenkonferenz in Dijon vom 16. bis 19. März 2005

 

Die 18. Weltorchideenkonferenz (WOK) fand vom 11. bis 20 März 2005 in der mittelalterlich geprägten, durch seinen Senf (Moutarde de Dijion) und vorzügliche Weine berühmten französischen Stadt Dijon statt. Diese Kongresse werden, nach vorheriger Kandidatur und von einem Gremium ausgewählt, seit dem Jahre 1954 aller drei Jahre, an eine andere Stadt vergeben. Nach der 8. WOK im April des Jahres 1975 in Frankfurt/ Main, damals noch für die meisten unerreichbar, hatte es keine weitere Orchideentagung mit dieser internationalen Dimension im kontinentalen Europa gegeben.

Eine solche Chance wollten sich 24 Orchideenfreunde aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Franken nicht entgehen lassen und beschlossen, einen Bus zu chartern und eine viertägige Reise (16. bis 19. März) nach Dijon zu organisieren.
Diese Aufgabe übernahm dankenswerterweise Dr. Horst Lang (Ziegenrück), der mit dem inzwischen in Thüringen sehr geschätzten Reiseunternehmen Schumann alles zur besten Zufriedenheit regelte. Ihm sei an dieser Stelle dafür noch einmal herzlich gedankt! Nach stundenlanger Fahrt bei prächtigem Sonnenschein, vorbei an Freiburg im Breisgau, den Kamm des Hoch-Schwarzwaldes lange vor Augen, nach Grenzübertritt über Mulhouse und Besancon vorbei an den Vogesen und schließlich durch die grünen Hügel Burgunds erreichte unser Bus mit einem sehr versierten und umsichtigen Fahrer Dijon. Im Drei-Sterne-Hotel Holiday Inn fanden wir eine preiswerte Unterkunft bei netter Bedienung und schmackhafter Küche.

Die mehr als 2000jährige Stadt, als Siedlung an einer der bedeutendsten Handelsstraßen für Erze gegründet und später durch die Römer bereits zu einer beachteten Stadt ausgebaut, zählt trotz seiner nur ca. 150 000 Einwohner zu den bekanntesten französischen Städten. Sie stellt ein wichtiges Verkehrs- (mit Hochgeschwindigkeitszug TGV, Flughafen), Handels- (vor allem Nahrungsmittel wie Senf = im 13. Jhdt. erhielt die Stadt bereits das Monopol zu dessen Herstellung, aber auch Weine, Gewürze), Universitäts- (Université de Bourgogne, 1722 gegründet), Kultur-, Industrie- (Elektronik, Metallverarbeitung, chemische und pharmazeutische Industrie) und Messezentrum dar. Im Mittelalter erreichte die geschichtsträchtige Stadt ihre größte Blüte. Administrativ ist sie aktuell die Hauptstadt des Départements Côte- d’Or und auch die historische Hauptstadt der Region Burgund.

Stadtbilder von Dijon

Auch heute noch kann man diese imponierende Geschichte nachvollziehen, wovon wir uns bei einer gut geführten Stadtrundfahrt mit Besichtigungen wichtiger Bauten, Paläste, zahlreicher Kathedralen und Kirchen, aber auch von Wehranlagen, reich geschmückten Patrizierhäusern, malerischen Fachwerkshäusern in engen Gassen, alter Restaurants, der Markthallen, Weinkeller und Parks überzeugen konnten.
Enttäuscht wurden wir nur von den Anlagen des im Jahre 1773 gegründeten, in Nähe des Bahnhofs gelegenen Botanischen Gartens, des Jardin de l’Arquebuse. An den
35 000 Arten, die als Bestand angegeben werden, muss man allerdings erhebliche Zweifel anmelden!

Stadtrundgang Dijon

Die bekanntesten zentralen Sehenswürdigkeiten kann man in einem Stadtrundgang auch erlaufen, wird dabei durch im Boden markierte und nummerierte Eulensymbole (Parcours de la Chouette) geführt. Die Eule wurde als Wappentier der Stadt gewählt. Eine alte, in Stein gehauene und bereits abgegriffene Eule befindet sich an einer Eckmauer der Kathedrale Notre Dame. Der Sage nach bringt es Glück, sie zu berühren!

Der Veranstaltungsort der WOK befand sich in den Messeräumen der Congrexpo (Parc des Expositions et du Palais des Congrès de Dijon). Man konnte hierbei auf Erfahrungen vertrauen, denn alle zwei Jahre findet an gleicher Stelle die bekannte Blumenmesse Florissimo statt.
Nach Ende der WOK konnten die Verantwortlichen (französische Orchideengesellschaften unter Viciane Dumont) über 200 000 Besucher und ca. 1000 registrierte Aussteller aus 26 Ländern vermerken.
Von den Pannen, den oftmals überteuerten Preisen, den üblichen Hintergrundsquerelen bei der Prämierung von Ausstellungsexponaten und letztlich dem finanziellen Desaster, wie später in mehreren Publikationen berichtet, bekamen wir nichts mit. Dieser Blick hinter die Kulissen, der manchen Aussteller enttäuschte, sogar verärgerte, blieb uns dankenswerterweise erspart. Wir ließen uns einfach von der Ideenvielfalt und der überwältigenden Farbenpracht „unserer Lieblinge“, aber auch anderer exotischer Pflanzen und des überaus üppigen Beiwerks begeistern!

Länderausstellung  in dijon

Jedes der teilnehmenden Länder war durch einen oder mehrere Stände vertreten: Amerika durch USA, Brasilien, Ecuador, Venezuela, Kolumbien; Asien durch: China, Taiwan, Thailand, Singapore, Indonesien, Bali, Indien, Malaysia, Philippinen, Japan; Europa durch: Frankreich, Großbritannien, Holland, Deutschland, Schweiz, Italien, Dänemark, Belgien; Australien; New Seeland und Südafrika.
An der Vortragstagung nahmen wir aus Zeit- und Kostengründen nicht teil, zumal das Interesse der meisten Teilnehmer unserer Reise der großen Ausstellung und den Verkaufsangeboten galt!
Am Eingang drängelnden sich die Besucher, aber mit einer relativ zügigen Abfertigung bei mehreren Eingängen wurde man der Massen Herr.
Entweder in kleinen Grüppchen oder einzeln erkundeten wir Ausstellungs- und Verkaufsräume. Während einige Teilnehmer sich schnell den Pflanzenständen zuwandten, um vielleicht - trotz des dafür eigentlich zu späten Reisetermins - das eine oder andere Schnäppchen noch zu erhaschen, sichteten oder wühlten Andere erst einmal in den reichhaltigen, aber leider oftmals unerschwinglichen Buchangeboten.


Orchideen überall Orchideen

 

Die Fotografen unter uns konnten sich kaum entscheiden, welchem der vielen farbenprächtigen Motive in den Ausstellungs-Pavillons man sich zuerst zuwenden sollte. Immer wieder kehrte man um, ließ sich neben den pflanzlichen Exponaten von Springbrunnen, Wasserfällen, leiser Musik, Kunstwerken oder sogar Bild- Installationen fesseln.
In dieser kurzen Rückschau auf besonders markante Stände und Orchideen einzugehen, würde zu weit gehen. Nur ein riesiges Exemplar von Ansellia africana mit unzähligen Blütenrispen sowie die vorzüglichen Paphiopedilum- bzw. Phragmipedium-Arten (darunter P. malipoense, P. rothschildianum, das äußerst seltene und hinsichtlich der Legalität der Erstbeschreibung umstrittene P. kovachii oder ein vielblütiges P. besseae) und deren Hybriden, aber auch ein bemerkenswerter Bestand der seltenen und kleinblütigen Miniorchidee Mediocalcar decoratum aus den Nebelwäldern Neuguineas sollen besonders erwähnt werden.
Unter den Ausstellern kann man den deutschen Ständen uneingeschränkt Lob spenden!
Die Vorträge zur WOK sind in den „Actes Proceedings 18e WOC Dijon 2005“ (624 Seiten mit 847 Illustrationen, Preis: 96 Dollar) veröffentlicht.

Nach vielen Stunden fanden sich alle am Spätnachmittag erschöpft, aber glücklich am Bus wieder ein, der uns ins Hotel zurückbrachte. Hier verlebten wir gemeinsam zwei schöne, gemütliche und entspannte Abende bei gutem Essen, dem berühmten Burgunder Weinen oder Bier. In dieser angeregten Stimmung diskutierten wir auch über einen geplanten Neubeginn unserer Orchideengruppe, die sich im Herbst des gleichen Jahres in der Wiederbegründung, nun unter dem Namen „Orchideenstammtisch“ und einen freiwilligen Zusammenschluss darstellend, realisierte (siehe Link)!

 

Im von Dijon  nach Jena

 

An einem späteren Gruppenabend (am 18. Mai 2006) wurde in einem sehr gelungenen Rückblick mit Fotos und Videoschau durch Dr. Horst Lang (siehe Link) an unsere überaus positiven Eindrücke von der WOK in Dijon erinnert.

Die nächste, die 19. Weltorchideenkonferenz wurde während des Kongresses an Miami (Florida/USA) vergeben, also an eine Stadt, die sich schon einmal im Jahre 1984 bewährt hatte. Inzwischen fand sie vom 23. bis 27 Januar 2008 erfolgreich statt. Aus nahe liegenden Gründen nahm aber daran kein Vertreter unseres Orchideenstammtisches teil.
Für die 20. WOK im September 2011 wurde der Insel- und Stadtstadt Singapore als kleinstes Land Südostasiens ausgewählt. Ob Jemand Lust bekommt, dahin zu reisen?

Text:Dr. Helga Dietrich

Bilder Dr. Horst Lang, Hans-Joachim Pischeli

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Orchideenstammtisch Jena