Gruppenabend des Orchideen-Stammtisches Jena am 17.03.2011 mit dem Vortrag "Reisebericht Brasilien Teil 2" von Dr. Gösta Clausner

Am Donnerstag, den 17. 03. 2011, trafen sich 16 Mitglieder und 5 Gäste (aus Jena und Umgebung) des Orchideen-Stammtisches wiederum in der Traditions-Gaststätte "Zur Noll", um einen Vortrag ihres langjährigen Mitgliedes Dr. Gösta CLAUSNER zum Thema: "Reisebericht Brasilien Teil 2" zu hören, nachdem bereits vor genau einem Jahr, im März 2010, der erste Teil im Mittelpunkt eines Vortragsabends stand.
Unser Vorsitzender Hans-Joachim PISCHELI begrüßte wie immer alle diesmal recht zahlreich erschienenen Orchideenfreunde und Gäste.

Anschließend, während des etwas trubeligen Bestellens und ersten Lieferns von Getränken und Speisen, wurde nochmals die Fahrt nach Dresden diskutiert und organisatorisch abgeschlossen. Dr. Horst LANG informierte über die entgültige Teilnehmerzahl, mitreisende Gäste sowie die bei dieser Busreise anfallenden Kosten. Als Treffpunkte wurden Innenstadt (Busbahnhof) um 7.30 Uhr und Lobeda-West, Bushaltestelle Stadtrodaer Straße (stadtauswärts) um 7.45 Uhr vereinbart.

Erfreulicherweise hatten diesmal wieder drei Mitglieder blühende Pflanzen mitgebracht. Im Einzelnen handelte es sich um:
Hanna STARK:
Dendrobium harveyanum (sehr reich blühend)
Lycaste skinneri 'Alba' (mit drei Blüten)
Horst KÜHN:
Cymbidium-Hybride 'Rötkopp' (einer alten, aber lange und intensiv rotblütigen DDR-Sorte)
Epidendrum vitellinum
Dr. Horst LANG:
Paphiopedilum chamberlainianum
Paphiopedilum emersonii x P. malipoense
Paphiopedilum concolor (eventuell Hybride)

Es schloss sich daran die Vorstellung neuer Orchideenliteratur an - wie immer durch Dr. Helga DIETRICH -, die sowohl zwei Bücher über Pflanzen (einschließlich Orchideen)-sammler, als auch das neueste Heft von Orchids (Bulletin of the American Orchid Society) sowie der Berichte aus den Arbeitskreisen Heimische Orchideen umfasste.

Danach begann der Vortrag, der uns erneut mit eindrucksvollen Motiven und in fotografisch exzellenter Qualität in eines der touristisch geschätztesten Länder Südamerikas, nämlich Brasilien, gleichzeitig das fünftgrößte Land unseres Planeten, entführte. In diesem zweiten Vortragsteil einer organisierten dreiwöchigen Exkursionsreise (mit 8 Inlandflügen!), die der Vortragende gemeinsam mit seiner Ehefrau Eva im August 2009 unternahm, ging es diesmal konkret um die Gebiete:
• Pantanal
• Iguazú
• Rio de Janeiro und Umgebung
Mit einer kurzen Erinnerung an den Abschluss des vorjährigen Vortragsteils (Impressionen aus Manaus) als Ausgangspunkt erlebten wir nun im ersten Vortragsteil den zentral-westlichen Bundesstaat Mato Crosso mit seiner etwa eine halbe Million Einwohner zählenden Hauptstadt Cuiabá. Hier im Schatten des Brasilianischen Gebirgslandes erstreckt sich bis an die Grenzen von Bolivien und Paraguay ein riesiges Flachland (ca. 180.000 Quadratkilometer), dass vom Rio Paraguay mit zahlreichen Nebenflüssen durchflossen und bestimmt wird. Es handelt sich dabei um das größte Binnenland-Feuchtgebiet der Erde, das Pantanal ("Sumpfland")! Während in den dortigen Sommermonaten die riesige Fläche überschwemmt wird (das Gefälle beträgt nämlich nur 3 Zentimeter pro Flusskilometer) und nur ganz wenige Hügel als Refugialstandorte herausragen, sind jetzt im Südwinter (von Juni-September) die meisten Gebiete trockengelegt und zeigen neben den Flussarmen, kleinen Lagunen (alles Rückzugsorte für zahlreiche im Wasser lebende Tiere und Pflanzen) auch Palmen-Feuchtsavannen (mit Mauritia flexuosa) und Riedgrasbestände, aber auch Weideland für die hier extensiv betriebene Rinderhaltung.
Direkt an der Hauptrasse Transpantaneira, wenige Kilometer von der Stadt Poconé entfernt, liegt die mit ihren Apartments ansprechend wirkende, allerdings Moskito-gefährdete Lodge Pousada Piuval. Sie ist von einer hübschen Gartenanlage inklusive Swimmingpool umgeben, in der auch Orchideen kultiviert werden. Entweder sind diese direkt ohne Substrat an Baumstämme angebunden oder an Wände in Kokosfaser-Taschen aufgehängt. Im jetzigen Winter konnte man allerdings keine Blüte erwarten; die Bestimmung erwies sich dadurch als ziemlich schwierig, oftmals als unmöglich.
Unweit der Lodge befand sich ein kleiner See, der erste Bekanntschaft mit dem hier häufigen Großen Yacaré-Kaiman (Caiman yacare ssp. yacare) ermöglichte, ein bis 2,7m lang werdender Alligator.

Tagsüber dösen die großen Echsen, man konnte sich ihnen unbedenklich nähern. Flora und Fauna der Umgebung, wie im gesamten Pantenal, sind artenreich und vielfältig.

Hier kommt auch das Wappentier der Region, der etwa 1,2m große Yabiru-Riesenstorch (Jabiru mycteria) neben zahlreichen anderen Watt-, Stelz-, Sumpf- und Wasservögeln vor (gezeigt wurden Silberreiher, Rosa-Löffler, Kormorane, Rabengeier, Nimmersatt). Hyazinth Aras

Dabei waren auch die bis 1m groß werdenden, überaus seltenen und streng geschützten Hyazinth-Aras (Anodorhynchus hyacinthinus) zu bewundern mit ihrem prächtigen kobaltblauen Gefieder; nur Unterschnabel und Augenränder leuchten gelb. Sie gelten als die weltgrößten und zweitschwersten Papageien! Aber auch Schwarze Brüll- und Kapuzineraffen, eine Buschmeister-Schlange, Wasserschweine und Riesenotter konnten beobachtet und fotografiert werden. Floristisch erwähnenswert erwies sich ein Gehölz, Combretum lanceolatum, ein Flügelsamengewächs, das durch eine ungewöhnliche Bestäubungsart auffällt. In dessen sich fast skurril entfaltenden Blüten werden durch Zellverwundung winzige Geleetropfen gebildet, die aus einem komplex gebauten Zuckermolekül Glucomannan bestehen, und von zahlreichen Vogelarten begehrt und abgesammelt werden. Dabei kommt es in den eigenartig geformten Blüten - in großer Gestaltsdifferenz zu den Knospen - zur Bestäubung. Außerdem wurden drei farbverschiedene Tabebuia-Arten (die häufige gelbblütige T. ochracea, die rosarotblütige T. heptaphylla und die weißlich-roseblütige T. roseo-alba) sowie als häufige, die Gewässerflächen überziehende, aber attraktiv blühende Wasserpflanze Eichhornia azurea (Wasserhyazinthe) gezeigt. Bei letzterer Art wurden die großen Merkmalsunterschiede zwischen Unterwasser- und Überwasser-Blättern betont. Kopfschütteln erzeugten Aufnahmen von Würgefeigen (Ficus spec.), die ihre Wirtspalmen umklammerten und bei entsprechender Größe und Last mit ihnen zusammen umfielen. Wenn schließlich der weichstämmige Wirt verrottet war, entstand ein hohles Rohr-Geflecht aus verzweigten und verflochtenen Trieben, dass wie ein Kunstgebilde wirkte.

Im nächsten Vortragskomplex wurden uns als touristisches Highlight die Wasserfälle von Iguazú (Cataratas do Iguaçu, Cataratas del Iguazú) im Grenzgebiet zwischen dem brasilianischen Bundesstaat Paraná und Argentinien (Provinz Misiones) in eindrucksvollen Motiven nahe gebracht. Argentinische Wasserfälle

Wsserfälle Bild 1

Sie sind breiter als die ebenfalls berühmten Niagara-Fälle (Nordamerika: Grenze zwischen USA und Kanada) und höher als die Victoria-Fälle (Afrika: Grenze zwischen Simbabwe und Sambia), gelten aber insgesamt als viel spektakulärer! Die aus 25 größeren und zahlreichen kleineren Fällen in einer Ausdehnung von 2,7 Kilometern, von winzigen Inseln geteilt, bestehenden Wasserstürze des Rio Iguazú zählen seit den Jahren 1984 und 1986 zum UNESCO-Welterbe. Sie werden von beiden Staaten betreut und sind jeweils auch als Nationalparks ausgewiesen. Man hat berechnet, dass pro Sekunde, allerdings in Abhängigkeit von Jahreszeit und Niederschlägen, zwischen 1.700 bis maximal 12.000 Kubikmeter Wasser herabstürzen. Am berühmtesten ist der Teufelsschlund (Garganta del Diablo, Garganta do Diabo), in dessen Gichtsprühnebel sich bei Sonnenschein herrliche Regenbogen bilden.
[Hinter den Wasserfällen und deshalb in deren sicherem Schutz leben und brüten Ruß-Segler (Cypseloides senex), wie unser Mitglied und Aquarien-/Terrarien-Experte Heinz GRUSCHWITZ einwarf. Einige Anwesende erinnerten sich auch daran, einen entsprechenden Dokumentarfilm gesehen zu haben.]
Die Anfahrt zu den Wasserfällen erfolgt mit Hilfe einer Schmalspurbahn, später kann man über Rundwege, Brücken und Stege zwischen den beiden Seiten wechseln und erhält dadurch Gelegenheit, von gut positionierten Aussichtsplattformen atemberaubende Panoramablicke zu genießen. Aber auch die Pflanzen- und Tierwelt ist imposant.

Regenwald

Als Haupt-Waldtypen in diesem subtropischen Klima (nachts können die Temperaturen beträchtlich bis 0 Grad C absinken!) tritt ein Halblaubwerfender tropischer Regenwald mit vielen Epiphyten, vor allem Bromelien, Orchideen und Farnen, ein Araukarien-Mischwald mit der Charakterart Araucaria angustifolia, einer seltenen Konifere, und entlang der Flussufer ein Galeriewald auf. Faunistisch wären zahlreiche Vögel (u.a. Tukane), Säugetiere (z.B. Nasenbären, die sich an die Touristen gewöhnt haben und um Nahrung betteln, was aber verboten ist!) sowie prächtig schillernde Schmetterlinge erwähnenswert. Empfehlenswert erwies sich auch ein Besuch des 16,5 ha großen Vogelparks (Parque des Aves) auf brasilianischer Seite.
Nachzutragen wäre vielleicht, dass die Wasserfälle von Iguazú inzwischen in die Liste der sieben neuzeitlichen Weltwunder gewählt wurden!

Im letzten Vortrags-Abschnitt lernten wir die zweitgrößte Stadt Brasiliens, das 7 Millionen Einwohner zählende Rio de Janeiro, bis 1960 Hauptstadt des Landes, bevor sie durch Brasilia abgelöst wurde, und ihre Umgebung kennen. Sie gilt - wohl zu recht - als eine der schönsten Städte der Welt! Der Stadtname bedeutet "Fluss des Januar", weil der Entdecker der Bucht, Gaspar de Lemos, im Jahre 1502 sie irrtümlich für eine Flussmündung hielt. Die flächenmäßig riesige Stadt ist durch mehrere Höhenzüge mit markanten Basaltkuppen (Morros) in verschiedene Abschnitte geteilt.

Wir erlebten den steilen Aufstieg und Gipfel des Corcovado mit der bekannten, 38m hohen Christusstatue, im flächenmäßig 39 Quadratkilometer umfassenden Parque Nacional Tijuca als größten innerstädtischen Nationalpark der Welt, mit dem 1022m hohen Pico de Tijuca (als höchsten Punkt der Stadt) nach. Eines der auffälligsten Gehölze des Parks, der in früheren Zeiten eine Kaffee-Plantage war, ist die attraktive, groß- und rosablütige Tabebuia heptaphylla (syn. Handroanthus heptaphyllus) als Trompetenbaum-gewächs, bei der die Einzelblüten zu engstehenden Rispen vereinigt sind und so die Schauwirkung verstärken. Im Volksmund wird er als Ipé-Roxo (auch Lapacho) genannt. Ebenfalls weltbekannt sind der 404m hohe Granitfelsen Zuckerhut als fotografisches Wahrzeichen der Stadt, der berühmte Strand Copacabana und die sehr variable Architektur der Stadt, die von prächtig restaurierten Kolonialstil-Villen im historischen Stadtkern über ultramoderne Bauten (wie die konisch gestaltete, 96m hohe Kirche Catedral Metropolitana zu Ehren des Schutzheiligen der Stadt San Sebastian) bis zu den Künstler- und Elendssiedlungen (Favelas) reicht. Allen Anwesenden kamen dabei Erinnerungen hoch an die Fernseh-Bilder der verheerenden Berg- und Schlammstürze des vergangenen Jahres in solchen Favelas! Als Ziel ist ein langjähriges Sanierungsprogramm geplant und angelaufen, wonach solche Favelas in Stadtgebiete mit Strom, Wasser, Kanalisation und sozialen Einrichtungen umgewandelt werden sollen. Wir erfahren auch, dass die Einwohner Rio de Janeiros Cariocas genannt werden (ein Wort der Tupi-Indianer), was soviel bedeutet wie:" Die, die in weißen Häusern wohnen". Gemeint waren damit die weiß gestrichenen Häuser der inzwischen sich angesiedelten Portugiesen. Mit Nachtstimmungs-Aufnahmen und einem der atemberaubenden Blicke auf die Stadt mit dem Zuckerhut schloss der Vortrag.

Alle Anwesenden waren des Lobes voll über die Art des Vortrages, bei dem unser Referent ohne jegliche Notizen die teilweise komplizierten Namen von Ortschaften, sonstigen Sehenswürdigkeiten, Pflanzen, Tieren, Architektur und historischen Personen ohne zu Stocken und in lockerer Form herüber brachte. Der Beifall zeigte, wie es allen gefallen hat!

Mit wenigen Fragen, es war bereits spät geworden, aber mit einem herzlichen Dank an den Referenten wurde der Abend beendet.

Unser nächstes Zusammentreffen wird, wie bereits eingangs angeschnitten, die Busfahrt zur Messe "Dresdner Ostern" mit "Internationaler Orchideenausstellung Dresden" am Donnerstag, den 14. April 2011, sein.
Im Mai werden wir wieder traditionell eine Exkursion in die heimischen Orchideen unternehmen. Sie führt uns diesmal in das etwa 10 km von Jena entfernte, inzwischen als orchideenreich auch regionsübergreifend bekannte und viel besuchte Naturschutzgebiet "Spitzenberg - Schießplatz Rothenstein - Borntal" im Saale-Holzland-Kreis (Leitung: Hermann Völckel, Helga Dietrich, Achim Pischeli). Der konkrete Termin wird aber erst noch bekannt gegeben. Er hängt begreiflicherweise vom weiteren Klimaverlauf und dem davon abhängenden Blühbeginn der dort vorkommenden Orchideenarten ab. Alle Mitglieder und interessierten Gäste werden darüber per Mail oder telefonisch informiert.

Text: Dr. Helga Dietrich, Fotos Dr. Gösta Clausner


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Orchideenstammtisch Jena