Am Donnerstag, den 15. 09. 2011, trafen sich nach langer Sommerpause, nur unterbrochen durch eine Exkursion in die heimischen Orchideen bei Rothenstein (NSG "Spitzenberg - Schießplatz Rothenstein - Borntal", Saale-Holzland-Kreis), 15 Mitglieder und 2 Gäste des Orchideen-Stammtisches in der Traditions-Gaststätte "Zur Noll", um einen Vortrag unseres langjährigen, auswärtigen Freundes Gottfried BELKE aus Frankenberg mit Impressionen zum "Orchideen-Abenteuer Laos" zu hören.
Unser Vorsitzender Hans-Joachim PISCHELI begrüßte eingangs alle erschienenen Orchideenfreunde und Gäste, besonders aber den Referenten, der den älteren Mitgliedern noch gut bekannt war. Aber die Meisten hatten sich dabei reichlich zwei Jahrzehnte nicht mehr gesehen. Das führte zu manch freudigem Hallo!
Anschließend wurden organisatorische Punkte angeschnitten und diskutiert. Das vorläufige Programm für das kommende Jahr 2012, auf der Sommer- Leitungssitzung am 22.07.2011 entgültig konzipiert, wurde vorgestellt, zur Diskussion angeregt und als Kopie verteilt.
Gleichfalls wurde auf die ausliegende Orchideenliteratur, diesmal 5 neue Hefte der amerikanischen Zeitschrift "Orchis", durch Dr. Helga DIETRICH hingewiesen, aus Zeitgründen aber diesmal auf eine detaillierte Vorstellung einzelner Artikel verzichtet.
Um durch die gewisse Unruhe, die beim Bestellen und Hereintragen von Speisen und Getränken und dem Klappern des Bestecks entsteht, den Hauptvortrag unseres heutigen Gastes nicht zu gefährden, ihn auch in Ruhe sein Essen genießen zu lassen, wurden zuerst die mitgebrachten blühenden Pflanzen vorgestellt. Folgende Objekte wurden dabei aufmerksam begutachtet:
Thomas BOPP
• Habenaria medusa (= myriotricha) (Vietnam - Malaysia)
Horst KÜHN
• Goodyera schlechtendaliana (Tibet, Japan, Sumatra)
• Goodyera kwangtungensis (China)
• Habenaria rhodocheila (China)
• Habenaria erichmichaelii (Thailand)
• Hemipilia kwangsienensis (China)
Hanna STARK
• Dracula vampira (Ecuador)
Horst LANG
• Paphiopedilum emersonii x P. concolor
Im anschließenden Power-Point-Vortrag des Abends schilderte der Referent in gewohnt origineller und unterhaltsamer Art und Weise seine Erlebnisse einer privat organisierten Reise nach Laos im Jahre 2007 zu einem deutschen Bekannten, der dort mit einer Laotin in Pakxe (auch Pakse ="Mündung des Se-Flusses" genannt) zusammenlebt. Diese Stadt gilt als zweitgrößte des Landes, ist auch Hauptstadt der südwestlichen Provinz Champasak und gleichzeitig Grenzstadt zum nahen Thailand.
Die Volksrepublik Laos nimmt als einziger Binnenstaat im tropischen Südostasien, weil ohne direkten Zugang zum Meer, eine Fläche von rund 236.800 km2 ein und entspricht damit in etwa zwei Drittel der Größe des heutigen Deutschlands. Es grenzt an die Nachbarstaaten Vietnam, Thailand, Kambodscha, China und Myanmar (ehemals Burma). Viele seiner etwa 6,5 Millionen Einwohner (aktuelle Zahl) führen ein bescheidenes Leben auf niederem sozialen Niveau, das geprägt wird vom Kampf um die "Dinge des täglichen Lebens", vor allem Nahrungsbeschaffung, Transportwege sowie gesundheitliche Probleme. Durch das mehrere Monate herrschende tropische Monsunklima bei einem vorwiegend gebirgigen Ambiente (etwa 85% der Landesfläche) erweist sich ein solcher Aufenthalt von Europäern fernab von touristischen Zentren, klimatisierten Räumen, Transportmitteln und verträglichen Speisen zu einer echten Herausforderung und bedeutet manch physische und psychische Strapaze. Der Referent vermittelte instruktiv, wie es ihm durch die Benutzung eines (dort gekauften) Fahrrades, von einheimischen Bussen, Tuk-Tuk`s (dreirädrige Kleinstlaster) oder zu Fuß möglich wurde, in unmittelbaren Kontakt mit der Bevölkerung, vor allem auch der Kinder, trotz bestehender Sprachbarrieren zu treten. Das schloss auch die einheimische, oft sehr gewöhnungsbedürftige Küche und damit Nahrungsaufnahme ein.
Ein aktuelles Problem, das auch für die gesamte südostasiatische Region zutrifft, ist die schleichende oder radikale, oft großflächige Entwaldung eines Landes, bei dem ursprünglich etwa 50% seiner Fläche mit floristisch und faunistisch artenreichen Regen- und Monsunwäldern bedeckt war. Ein Grossteil davon wird nach internationalen Kriterien sogar als Primärwald eingestuft. Eindringliche Fotos untermalten die ökologisch bedenkliche Situation! Nicht nur durch Edelholzeinschlag und Nutzung als einzige Brennmaterial-Quelle (Brennholz und Holzkohle) gehen Flächen verloren, sondern auch durch die staatlich geförderte Gewinnung geplanten Ackerlandes. Dabei hat der Anbau von Ölpalmen als potentielle Energiequelle, wie auch in den Nachbarstaaten, Primat. Insgesamt verschärfte sich dadurch aber die Trinkwassersituation, weil in Folge der Grundwasserspiegel stark abgesenkt wurde. Doch auch soziale Probleme bleiben nicht aus, weil viele, in den Gebieten ursprünglich siedelnde Bewohner unterschiedlicher ethnischer Gruppen dadurch ihre Heimat verlieren. Der jährliche Waldverlust wird mit ca. 300.000 ha beziffert. Um diesem Zustand, begleitet von einem drastischen Verlust an Biodiversität (Reduzierung der einmaligen Tier- und Pflanzenwelt) entgegen zu wirken, sind inzwischen 14% der Landesfläche in 20 "National Protected Areas (NPA)" unter Schutz gestellt!
Die laotische Flora ist bekanntermaßen artenreich. Das trifft auch vorrangig auf die Pflanzenfamilie der Orchideen zu. An blühenden und nicht blühenden Gattungen wurden vor allem Standort- und Kulturaufnahmen von Bulbophyllum, Porpax, Oberonia, Dendrobium, Spathoglottis, Rhynchostelis und Ascocentrum gezeigt. Viele davon, die beim Entwalden von der Bevölkerung oder auch vom Gastgeber aufgesammelt wurden, überleben die anschließende Kultur und den Weiterverkauf wohl nicht.
Reicher Beifall war dem Referenten sicher. Viele Fragen bestimmten auch die anschließende rege Diskussion. Einige männliche Mitglieder waren zudem sehr daran interessiert zu erfahren, wie sich das tägliche Leben mit einer solchen exotischen, viel jüngeren Lebenspartnerin bei den herrschenden Sprachproblemen abspielt und wie man solche Frauen überhaupt kennen lernen kann.
Mit der Bitte, der Referent möge doch bald einmal wieder zu einem Vortrag oder Treff kommen, wurde der Abend in gemütlich-anregender Stimmung beendet.
Unsere nächste Zusammenkunft wird am 20. Oktober 2011 am gleichen Ort zu gleicher Zeit stattfinden, in der ein Vortrag unseres Neumitglieds Hermann VÖLCKEL (Rothenstein) zum Thema "Reisebericht Neuseeland" im Mittelpunkt stehen wird.
Text: Dr. Helga Dietrich
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